Verein. Zeitschriften. 539
Bericht vom Königl. Realgymnasium zu Döbeln und vom Dorotheenstädtischen
Realgymnasium zu Berlin!) und von der Öberrealschule v. d. Holstentor in
Hamburg, in der schon erwähnten: Programmbeilage von F. Bohnert.?) Das
Sonderheft III der ZPChU. enthält zwei wertvolle Arbeiten von H. Hahn-Berlin
und K. T. Fischer-München, von denen die erste sich fast ausschließlich
mit den Übungen am Dorotheenstädt. Realgymnasiun in Berlin und die
zweite mit einer Übersicht über den physikalischen Unterricht bei uns und im
Auslande beschäftigt”) Außer den schon genannten Büchern und Schriften
enthalten auch die für die physikalischen Praktiken an den Universitäten geschriebenen
Leitfäden‘) von F. Kohlrausch, von E. Wiedemann-H. Ebert,
von Ostwald-Luther, von E. Pfeiffer, von Rudolphi und von Grünbaum-Lindt
manche Versuche, die sich für die Schülerpraktiken eignen.
Durch die physikalischen Schülerübungen sollen in den Unterricht keinerlei
Stoffe und Methoden hinübergenommen werden, die der Universität vorbehalten
bleiben müssen. Sie haben nicht den Zweck, Physiker oder Techniker auszubilden,
denn die höhere Schule soll Erziehungsschule, aber nicht Fachschule
sein. Besonders aus dem Grunde ist dieses zu betonen, weil von Gegnern der
physikalischen Schülerübungen und der realen Bildungsfächer überhaupt oft in
völliger Unkenntnis der Sache der im Interesse der Erziehung unserer Jugend
dringend auszusprechende Wunsch nach allgemeiner Einführung und organischer
Verschmelzung der Übungen mit dem übrigen Physikunterricht leichthin mit
der gänzlich unberechtigten Begründung abgelehnt wird, daß die Schülerübungen
die höheren Schulen zu Fachschulen machten. Diesen Gegnern kann nur der
Rat gegeben werden, sich durch eigenen Augenschein zu überzeugen, daß die
sachgemäß geleiteten Praktika der exakten Naturwissenschaften ebenso unentbehrlich
sind wie die Übungen in den anderen Unterrichtsfächern.
Daß auch von staatlicher Seite den physikalischen Schülerübungen ein
wichtiger Erziehungswert beigelegt wird, geht daraus hervor, daß in den preu-Bischen
Lehrplänen von 1892 und 1901 trotz der noch bestehenden Schwierig-Winterhalbjahr
1904/56 an 31 deutschen höheren Lehranstalten physikalische Schülerübungen
eingeführt sind und zwar an 8 Öberrealschulen, 12 Realgymnasien, 5 Gymnasien, 2 Realschulen
und 4 (bayrischen) Industrieschulen. S. ZPChU. XVII. 19056. Novemberheft.
1) ZPChU. XII, 86 von R. Rühmann-Döbeln und H. Bohn-Berlin.
#, Siehe vorige Seite Anm. 5.
°®) “Abhandlungen zur Didaktik und Philosophie der Naturwissenschaften’. Heft II:
K. T. Fischer, Über den physikalischen Unterricht bei uns und im Auslande; H. Hahn,
Die praktische Gestaltung der physikalischen Schülerübungen (Berlin, J. Springer 1904).
% F. Kohlrsusch, Lehrbuch der praktischen Physik, 10. Aufl. (Leipzig, B. G. Teubner
1905). — F. Kohlrausch, Kleiner Leitfaden der praktischen Physik (Leipzig, B. G. Teubner
1899). — E. Wiedemann und H. Ebert, Physikalisches Praktikum, 5. Aufl. (Braunschweig,
Vieweg & Sohn 1904). — W. Ostwald und R. Luther, Hand- und Hilfsbuch zur Ausführung
physiko-chemischer Messungen, 2. Aufl. (Leipzig, W. Engelmann 1902). — E. Pfeiffer,
Physikalisches Praktikum für Anfänger (Leipzig, B. G. Teubner 1908). — M. Rudolphi,
Einführung in das physikalische Praktikum (Göttingen, Vandenhoek & Ruprecht 1901). —
F. Grünbaum und R. Lindt, Das physikalische Praktikum des Nichtphysikers (Leipzig,
G. Thieme 1906).