— 78 —
der höchste und eigentlichste Zweck der Menschheit ist, ihr ganzes
Sinnen und Thun darauf zu richten, wie Einrichtungen geschaffen
werden, durch welche das allgemeine Glück gefördert wird.
In einer solchen auf gesellschaftlicher Gleichheit und der
Achtung vor dem Rechte und der Freiheit eines Jeden beruhenden
Gesellschaftsorganisation, in welcher Jeder das zur Deckung der
gesellschaftlichen Bedürfnisse nothwendige Arbeitsquantum z
eisten hat — die Faullenzer also durch die gesammte Gesellschaftsorganisation,
und die moralischen Anschauungen, die in der
Gesellschaft existiren, zur Unmöglichkeit werden — Jeder aber
auch seine natürlichen und vernunftsgemaßen Bedürfnisse in
vollem Umfange befriedigen kann, wird der Gegensatz zwischen
Arbeiter und Arbeitgeber, zwischen Herrschenden und Unterdrückten
verschwinden.
Die Arbeit ist gesellschaftliche Nothwendigkeit, weil die Gesellschaft
ohne sie nicht existiren kann, sie ist darum aber auch
für jeden Arbeitsfähigen Pflicht, und zwar eine um so angenehmere
Pflicht, weil Jeder weiß, daß das, was er für Andere
thut, Andere für ihn thun. Das Streben, die Arbeit sich zu
erleichtern und zu verkürzen, wird Alle anspornen, nach Möglichkeit
auf Verbesserungen und neue Erfindungen zu sinnen, und
so wird die beständige Abkürzung der Arbeitszeit durch neue
Erfindungen und Verbess, rungen Zeit für die Erzeugung neuer
Produkte zur Befriedigung neuer Bedürfnisse und für die geistige
Ausbildung auf allen Gebieten ergeben.
Alle guten messchlichen Eigenschaften zu wecken und zu
pflegen und die schlimmen Eigenichaften durch die entsprechen
gesellschaftliche Erziehung und Entwickelung zu ersticken, das ist
das Ziel des Socialismus.
Klar ist, daß diesem Ziele Jeder Beifall zollen muß, dem
sein eigenes wirkliches Mohl und das seiner Nachkommen am
Herzen liegt, und bei der Förderung solcher Bestrebungen müssen
diejenigen am meisten sich betheiligen, die in Folge der eigenen
Notblage am meisten davon profitiren. Das sind neben den
Arbeitern die Kleingewerbetreibenden, die Candidaten für Vermehrung
der Lohnarbeiterklasse. ·
Statt dessen haben wir gesehen, wie man zum Theil in
diesen Kreisen sich mit am lautesten freute, als die große Majorität
des letzten Reichstags ein Gesetz für die gewerblichen Hülfskassen
beschloß, das den Arbeitern in. heiligstes Recht, das Recht
auf Selbstverwaltung der von ihnen selbst gesteuerten Gelder,
— Willkür der Behörden und der Unternehmer abhängig
machte.
Das Gesetz ist in erster Linie entworfen worden, um, wie
offen ausgesprochen wurde, durch die Zwangspflicht für die Ar-