Volltext : Vier Herren von Bismarck im Kirchenbann.

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ist,  so  ist  er  im  Bann  gestorben;  denn  erst  1342  wurde  dieser  aufgehoben,
nachdem  der  Zorn  der  Domherren  durch  landesübliche  Geschenke  versöhnt
war.  Und  was  war  das  Resultat  dieses  erbitterten  Streites?  Das  Domstift
gestattete  dem  Rath  den  Besitz  einer  „freien  Schule“;  es  gestattete  die  freie
Wahl  des  Rectors  und  der  Lehrer  und  verlangte  nur,  daß  der  Rector  dem
Scholasticus  des  Domstifts  präsentirt  würde,  welcher  ihn  binnen  8  Tagen
in  sein  Amt  einzuführen  hätte.  Thäte  er  das  nicht,  so  sollte  es  durch  irgend
einen  andern  Domherren  erfolgen,  den  der  Rath  darum  ersuchte.  Das
Kapitel  begnügte  sich  also  mit  einer  leeren  Formalität.

Der  Friede  schien  hergestellt;  er  war  es  aber  nicht.  Eine  tiefe  Aufregung
  in  den  niederen  Schichten  des  Volkes  blieb  zurück.  Denn  4  Jahre
unter  dem  Interdict  zu  leben  und  dann  die  Stadtkasse  namhaft  zu  belasten,
  um  die  erzürnte  Geistlichkeit  zu  versöhmen,  und  dies  alles  um  einer
Schule  willen,  welche  vorzugsweise  den  höheren  Ständen  zu  Gute  kam  —
denn  für  den  elementaren  Unterricht  sorgte  ja  die  Domschule  —,  das
schien  Vielen  ein  zu  hoher  Preis.  Und  überdies  bestand  schon  längst  ein
scharfer  Gegensatz  zwischen  den  „armen“  und  den  „reichen  Bürgern“,  d.  h.
zwischen  Handwerkern  und  Patriciern.  Erstere  begehrten  die  Aufnahme  in
den  Rath,  welche  Letztere  beharrlich  verweigerten.  Dazu  kamen  die  politischen
  Kämpfe  zwischen  Welfen  und  Gibellinen,  zwischen  der  Geistlichkeit  und
dem  Landesherren,  dem  Markgrafen  Ludwig  den  Aelteren.  Die  Geistlichkeit
stand  hierbei  auf  Seite  des  niederen  Volkes.  Diese  gespannten  Verhaltnisse
  bewirkten  1345  einen  Volksaufstand,  durch  welchen  ein  Zunftregiment
an  Stelle  des  Patricierregiments  gesetzt  und  mehrere  der  vornehmsten
Familien  vertrieben  wurden.  Am  feindseligsten  zeigte  sich  die  Stimmung
gegen  diejenigen  Rathmänner  und  Schöppen,  welche  in  den  Schulstreit
verflochten  gewesen  waren,  namentlich  gegen  Nicolaus  von  Bismarck,
des  älteren  Rudolfs  ältesten  Sohn.  Er  war  während  des  Interdicts  zwei
mal  (1339  und  1342)  Rathmann  gewesen;  er  hatte  auch  bei  dem  Vergleich
  mit  dem  Domstift  mitgewirkt;  er  war  außerdem  der  eifrigste  Anhänger
  des  von  der  Geistlichkeit  tödtlich  gehaßten  Markgrafen  Ludwig  und
daher  mit  einem  landesherrlichen  Schlosse  belehnt  worden.  Etwa  4  Jahre
lang  saß  in  Stendal  ein  beschränktes  Spießbürgerthum  am  Ruder;  so
lange  blieb  Nicolaus  von  Bismarck  Verbannter

In  diese  Jahre  fällt  das  Auftreten  des  falschen  Waldemar,  dem  die
Geistlichkeit  und  die  Bewohnerschaft  Stendals  mit  fliegenden  Fahnen  entgegenzog.
  Diese  Periode  der  heillosesten  politischen  Verwirrung,  wo  Leute
von  mangelhafter  Bildung  im  Rathe  saßen,  wo  überdies  eine  furchtbare