Contents : Geschichte der Hohenzollern.

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dem  Lande  Wielun  erblich  mit  aller  Landeshoheit  überlassen,  und  mehrere  Punkte
des  Lehnsvertrages  günstig  für  ihn  abgeändert.

Der  Würfel  war  geworfen,  denn  obgleich  Friedrich  Wilhelm  dem  Kaiser
so  wie  dem  König  von  Polen  von  dem  Abschluß  des  Bündnisses  Kunde  gab,
mit  dem  Bemerken,  daß  nur  das  entschieden  feindselige  Benehmen  der  Polen,
deren  für  das  Kurhaus  gefährliche  Pläne  man  aus  den  aufgefangenen  Briefen
des  General  Czarnecki  hinreichend  ersehen,  den-  Kurfürsten  zu  diesem  Schritte
der  Selbsterhaltung  gezwungen  habe,  so  war  doch  ferner  an  keine  Schonung  mehr
zu  denken.  Natürlich  leugnete  König  Johann  Casimir  die  Wahrheit  jenes  Vorwurfes
  vollkommen  ab  und  drohte  mit  offener  Feindschaft.  Ja  auch  bei  seinen
bisherigen  Bundesgenossen  fand  des  Kurfürsten  Benehmen  so  wenig  Billigung,
daß  sie  zurücktraten,  die  Holländer  sich  sogar  gänzlich  von  ihm  lossagten.

Außerdem  hatten  sich  die  Kriegsangelegenheiten  zu  Gunsten  Polens  geändert.
  Während  Danzig  unerwarteter  Weise  mit  Erfolg  den  Angriffen  der  Schweden
  widerstand,  fiel  Warschau  trotz  der  verzweifelten  Vertheidigung  seiner  Besatzung
  in  die  Hände  der  Gegner,  und  mehr  als  100,000  Polen  und  Tataren
bedrohten  die  erstaunten  Verbündeten.  Diese  suchten  jetzt  ihrerseits  den  Weg  der
Unterhandlung,  und  bedienten  sich  hierbei  des  französischen  Gesandten;  jedoch
umsonst,  denn  Johann  Casimir  zweifelte  nicht  mehr  am  Siege.  Im  stolzen  Gefühl
seiner  Ueberlegenheit  ließ  er  dem  Vermittler  erwiedern:  „Und  wenn  der  Kurfürst
sich  dem  König  zu  Füßen  werfe,  so  wisse  man  noch  nicht,  ob  er  Gnade  finden
würde.“  Ja  noch  kurz  vor  der  Schlacht,  die  bald  sein  Geschick  aufs  Neue
zu  seinem  Nachtheil  wenden  sollte,  äußerte  er  zu  dem  französischen  Gesandten
d  Avaugour,  als  ihm  dieser  von  einer  zu  raschen  Entscheidung  abmahnte:  „Er
habe  nun  einmal  die  Schweden  und  Brandenburger  den  Tataren  zum  Frühstück
  versprochen,  und  dem  Kurfürsten  ein  Gefängniß  zugedacht,  wo  er  weder
Sonne  noch  Mond  jemals  erblicken  sollte.“

Jetzt  blieb  für  Friedrich  Wilhelm  nichts  Anderes  übrig,  als  Sieg  oder
Untergang.  Ohne  weiter  zu  schwanken,  setzte  er  seine  Truppen  in  Bewegung,
umd  vereinigte  sich  mit  dem  König  von  Schweden,  der  von  Preußen  her  gegen
Warschau  aufgebrochen  war.  Auf  der  rechten  Seite  der  Weichsel  rückten  sie
gegen  die  Hauptstadt  ihres  Feindes  von  Norden  her  vor.  Groß  war  die  Uebermacht
  desselben,  denn  das  verbündete  Heer  belief  sich  noch  nicht  auf  40,000
Streiter,  die  Polen  dagegen  zählten  allein  an  regelmäßigen  Truppen  39,000
Mann,  doch  hierzu  kamen  noch  20  bis  30,000  Tataren,  und  eine  wenigstens
  gleiche  Zahl  zwar  nur  mit  Säbeln  und  Sensen  bewaffneter  aber  kriegsgeübter
  Bauern.  Diese  Massen  gaben  den  Gegnern  eine  furchtbare  Ueberlegenheit
  zum  Kampfe.

Dessenungeachtet  schritten  Schweden  und  Brandenburger  zum  Angriff
(28.  Juli).  Den  rechten  Flügel,  welcher  längs  des  Stromes  vorging,  führte
der  König,  den  linken,  durch  einen  sumpfigen  Wald  gedeckt,  der  Kurfürst.  Unter
seinem  Oberbefehl  leitete  der  schon  durch  manche  Kriegsthaten  bewährte  General-14°