258 Johannes Ficker:
Konstanz, die andere um Vertreibung des Bischofs sind nicht
gedruckt worden!). Vielmehr hat der Rat — ganz anders als
der Zürcher — sich begnügt, Anfangs 1524 auf Grund des Nürnberger
Mandats allen Predigern vorzuschreiben, Nichts als das
lautere Evangelium zu predigen, mit dem ausdrücklichen Zusatze,
alle disputirlichen Sachen wegzulassen und was dem Christgläubigen
zu wissen ohne Not ist. Es war aber jetzt ein Mandat
für alle Prediger und der katholischen Auffassung jenes dunklen
Passus im Nürnberger Beschluss war die evangelische Interpretation
gegenübergesetzt. Beides bedeutete einen grossen Fortschritt. Es
war die Grundlegung der Konstanzer Reformation.
Das gewaltsame Eingreifen der bischöflichen Partei trieb weiter
und entflammte den anderen Teil aufs Neue. Blaurer antwortete
mit einem feurigen Appell an den Rat, kraft göttlichen Rechtes
sich dem Bischof zu widersetzen, die Prediger zu schirmen, dem
Worte Gottes keinen Zwang anthun zu lassen, sondern ihm Beistand
zu leisten; Wanner mit der Anklage der Gegner auf unbiblische
Lehre: Angriff auf die alleinige Autorität der Schrift,
Consilia evangelica, Messe, Zölibat, Gelübde, Heiligenanrufung,
Beichte, Zwang in Zerimonien; Vögelin richtete damals seinen energischen
Aufruf an den Rat für die Prediger. Wenn man zurückhält
— war wirklich, wie der Bürgermeister in seiner Ansprache bei
der Zusammenkunft der Prediger erklärte, einträchtige Predigt beider
Teile zu erreichen? Wenn hierüber Unklarheit gewesen wäre,
so hätten die Verhandlungen der katholischen Elemente im Reiche
unter der Führung des Legaten jeden Zweifel beseitigt. Die Regensburger
Abmachungen wirkten auf die in energischem und geschlossenem
Vorgehen geeinten Städte ausserordentlich. Wir können
uns ein Bild hiervon machen aus der Denkschrift, welche auf
Grund des Beschlusses des Speyerer Städtetags, eine jede Stadt
solle für den Städtetag zu Ulm (Dez. 1524) eine Vorlage mitbringen,
in Konstanz mit Benutzung der Gravamina entworfen worden ist*):
Blaurer und Wanner mit zwei Ratsmitgliedern sind die Verfasser.
Man sehe, was für ein Konzil in Aussicht stehe, kein dem Worte
Gottes gleichförmiges, keines, auf dem auch Laien vertreten seien.
Schwert und Gewalt nach wie vor — „desshalb niemand mer sich
ains christlichen conciliums versechen darf, sonder ain yeglich com-1)
In den Annales Constantienses, Ms 208 der Vadiana, N. I und N. 2.
2) Ebenfalls in Ms 208 der Vadiana, N. 3, 22 Blätter.