Full text : Der Deutsche Reichstag.

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repräsentieren  —  ich  möchte  Sie  bitten,  diese  Aeußerung  ein  für  alle
Mal  zu  Grabe  zu  tragen;  es  ist  mir  schwer  glaublich,  daß  ein  so

geistvoller  Herr  eine  Aeußerung  im  Ernste  gethan  haben  sollte,  die  ich
mit  dem  guten  Geschmack  so  wenig  in  Einklang  bringen  kann.“  In
Betreff  dieser  Anekdote  fügte  Fürst  Bismarck,  als  ein  anderer  Redner
nochmals  darauf  Bezug  nahm,  noch  hinzu:  Ich  habe  die  Anekdote  genau
  in  der  Form,  wie  sie  der  Herr  Vorredner  von  Friedrich  dem
Großen  zitierte,  auch  seit  meiner  Jugend  häufig  gehört  und  auch  stets
meine  Freude  daran  gehabt  —  so  lange  ich  nicht  auswärtiger  Minister
war.  Ich  glaube,  daß  der  große  König  doch  mehr  im  Sinne  seines
Finanzministers,  der  ihm  sehr  am  Herzen  lag,  dabei  gesprochen  hat,
als  im  Sinne  seiner  auswärtigen  Politik.

Bei  der  Beratung  über  den  Haushalt  der  Marine  wurden  im
Reichstage  Anträge  in  entgegengesetzter  Richtung  in  Bezug  auf  die
weitere  Entwickelung  unserer  Seemacht  gestellt:  während  von  der  einen
Seite  die  beschleunigte  Ausführung  des  im  Jahre  1867  festgestellten
Flotten-Gründungsplans  gewünscht  wurde,  stellte  man  von  anderer
Seite  den  Nutzen  einer  größeren  Flotte  für  unsere  Aufgaben  überhaupt
in  Abrede  und  glaubte  sich  für  diese  Ansicht  auch  auf  die  vermeintliche
Unwmirksamkeit  der  Flotte  im  letzten  Kriege  berufen  zu  können,  wo
unsere  Küsten  mehr  durch  die  Küstenbefestigungen,  durch  Torpedos
u.  s.  w.,  als  durch  die  Flotte  geschützt  worden  seien.

Der  Kriegs--  und  Marine.  Minister  Graf  von  Roon  nahm  hieraus
Anlaß,  sich  über  die  Flotte  etwa  in  Folgendem  zu  äußern:

„Wäre  es  nicht  eine  eminent  patriotische  Angelegenheit,  welche
hier  verhandelt  wird,  so  würde  ich  keine  Veranlassung  haben,  mich  in
der  Generaldebatte  zu  äußern;  allein  bei  diesem  Charakter  der  Verhandlung
  drängt  es  mich,  diejenigen  Standpunkte  zu  bezeichnen,  welche
die  verbündeten  Regierungen  zu  dem  Marine-Etat  sowohl,  als  zu  den
Borschlägen,  welche  in  Bezug  auf  denselben  von  verschiedenen  Seiten
gestellt  worden  sind,  einnehmen.  Ich  möchte  nur  denjenigen  Punkten
einige  Worte  zuwenden,  welche  nach  meiner  Auffassung  nicht  ohne  Bemerkung
  meinerseits  bleiben  können.  Dazu  gehört  vornehmlich  die
Meinung,  daß  unsere  deutschen  Küsten  in  dem  Kriege  von  1870  und
1871  lediglich  durch  Defensivmittel,  Batterien,  Schanzen,  Torpedos
u.  s.  w.  verteidigt  worden  seien,  und  daß  das  Vorhandensein  unserer
freilich  schwachen  Flotte  dabei  ganz  gleichgiltig  gewesen  sei.  Ich  glaube
dies  ist  ein  sehr  bedenklicher  Irrtum  auch  in  historischer  Beziehung.

Wenn  man  sich  lediglich  auf  den  Standpunkt  des  Beschichtsschreibers
  stellt,  so  müßte  man  eine  solche  Ansicht  von  Hause  aus