Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

IV.  Verwaltung,  wirtschaftliche  und  geistige  Zustände.  119

licher  Verehrung  für  die  Mutter  und  Freigebigkeit  gegen  die
Armen.  Sein  Nachfolger  soll  für  die  Ausbreitung  der  reformierten
  Religion  sorgen,  jedoch  nicht  mit  Zwangsmitteln  oder
durch  finanzielle  Kürzung  der  lutherischen  Kirche.  Zu  Hof=  und
Staatsbeamten  soll  er  vorzugsweise  Reformierte  berufen,  streitund
  zanksüchtige  Prediger  weder  in  den  Städten  noch  auf  dem
Lande  dulden,  sondern  nur  auf  Förderung  des  Kirchenfriedens
bedachte,  die  seinen  Edikten  gehorchen.  Auch  von  den  Lehrern
an  Schulen  und  den  Professoren  an  den  Universitäten  gelte
das:  wer  nicht  Frieden  halten  will,  soll  des  Landes  verwiesen
werden.  Er  mahnt  zur  Wachsamkeit,  damit  die  Römischkatholischen,
  deren  es  in  den  Marken  und  Preußen  zur  Zeit  keine
gibt,  sich  nicht  doch  wieder  einschleichen.  Nur  für  kaiserliche
oder  königliche  Gesandte  soll  in  Berlin  Messe  gehalten  werden
dürfen,  sonst  nie;  so  möge  es,  wünsche  er,  mit  Gottes  Hilfe
ewig  bleiben,  „auf  daß  solche  Abgötterei  und  Greuel  von  den
Nachkommen  niemals  mögen  gesehen  werden".  Habe  doch  die
lutherische  Kirche  an  Zeremonien  aus  dem  Papsttum  ohnehin
mehr  als  genug  beibehalten:  das  möge  sein  Nachfolger  mit
guter  Manier  ändern.  Was  dagegen  in  Preußen  und  den
statt  Pommerns  erworbenen  Landen  den  Katholiken  an  Rechten
zusteht,  ist  gewissenhaft  zu  respektieren,  weil  ihnen  das  bei  der
Huldigung  zugesichert  ist,  und  damit  die  Evangelischen  in  Zülich
vom  Pfalzgrafen  gleiche  Duldung  genießen.  Dafür  aber  —
eine  merkwürdige  Anschauung  —  sollen  seine  katholischen  Unterthanen
  am  Niederrhein  ihn  alo  ihren  obersten  Bischof  anerkennen,
  wie  einst  den  Herzog  von  Cleve,  und  den  zuwiderlaufenden
  päpstlichen  Bullen  und  Dekreten  nicht  gehorchen.
Wer  dagegen  verstößt,  soll  mit  Geld  gestraft,  wenn  er  beharrt,
ausgewiesen,  der  Abgang  durch  Heranziehung  gehorsamer  Katholiken
  ersetzt  werden.  Besonderer  Pflege  empfiehlt  er  die  Universitäten.
  Alle  seine  Unterthauen  ohne  Unterschied  der  Religion
  soll  der  künftige  Kurfürst  als  ein  rechter  Landesvater
lieben,  ihre  Wohlfahrt  nach  Kräften  fördern,  den  Handel  zu
heben  und  die  Bevölkerung,  namentlich  in  der  Mark,  zu  vermehren
  suchen,  mit  Prälaten  und  Edelleuten  leutselig  verkehren,
  ohne  jedoch  seiner  Stellung  etwas  zu  vergeben,  den