76 Max Schasler. 184S8
Schluß.
Mag man nun unseren Ausstellungen über die einzelnen Kunftlehrinstitute
ein größeres oder geringeres Gewicht beilegen, so geht doch aus
der hier gegebenen Uebersicht ohne Zweifel hervor, daß von einer auch nur
annäherungsweise angestrebten Gleichmäßigkeit der Studienpläne, wie fie
vergleichsweise auf den Gymnasien und Realschulen herrscht, keine Rede ist,
sondern gerade das Gegentheil, absolute Verschiedenheit der Organisation
sowohl hinfichtlich der Gliederung wie hinsichtlich des Umfangs der Lehrfächer,
an der Tagesordnung ist. Auf diese Gleichmäßigkeit aber müßte
nächst der Erfüllung der oben erwähnten Vorbedingungen, bei einer durchgreifenden
Reorganisation derselben, die unmöglich lange auf sich warten
lassen kann, da dies ganze Gebiet der Kunstlehre allzusehr mit den bescheidensten
Ansprüchen allgemeiner Bildung im Widerspruch steht, das
Hauptaugenmerk sich richten. Die bedauerlichen Zustände auf unseren
deutschen Kunstlehrinstituten, die hier nur auf Grund der officiellen Lehrpläne
beurtheilt sind, würden sich natürlich noch als viel bedenklicher herausstellen,
wenn wir die saktische Art und Weise, in welcher die
vorgeschriebenen Fächer behandelt werden, überall einer Kritik
unterziehen wollten.
„Die Hauptsache“ — schreibt uns darüber ein selbst als akademischer
Kunstlehrer fungirender Freund, und darin stimmen wir ihm vollständig
bei — „bleibt immer doch, wie der Unterricht in den verschiedenen Fächern
gehandhabt wird, d. h. ob man die jungen Leute sich naturgemäß ausbilden
läßt oder Treibhauspflanzen aus ihnen erzieht. die sich in kurzer Zeit überblühen
und dann absterben; ob man der modernen Zeitströmung rückhaltslos
nachgibt, der Mode huldigt, um schnell glänzende Erfolge zu erzielen
oder ob man gewisse unwandelbare Gesetze festhält, deren Aneignung zwar
Mühe macht und Zeit erfordert, die aber dann auch zur gesunden Entwickelung
der künstlerischen Individualität führen . .“ Es kommt eben
auf die Behandlung des Unterrichts an, ob derselbe erfolgreich wirken kann,
und diese Behandlung hängt wieder sehr von der Befähigung und dem
Verständniß der betreffenden Persönlichkeiten ab. — Da wir uns nun bei
dieser ganzen Untersuchung principiell von jeder Personalkritik fern gehalten,
so können wir nur im Allgemeinen darauf hinweisen, daß die mangelhafte
Basis der Organisation unferer Kunstschulen, namentlich aber die fast durchgängig
lückenhafte und unzureichende Vorbildung für dieselben, selbstverständlich
auch nur eine geringe Garantie für die Qualifikation
der aus diesem Kunstunterricht selbst hervorgegangenen
ü Kunstlehrer" darbieten kann. Ohnehin ist unsers Wissens von einer
eigentlichen Prüfung solcher Oualifikation bei Besetzung der betreffenden
Stellen — einer Prüfung, wie sie etwa für die Besetzung von Lehrerstellen
bei einem Gymnasium, ja der geringsten Bürgerschule obligatorisch ist —
nirgends die Rede, außer wenn es sich etwa um die Anstellung eines
Zeichnenlehrers an einer wissenschaftlichen oder auch kunstindustrieellen
Lehranstalt handelt. Es herrscht eben auch hierin dieselbe Principienlofigkeit
wie in der gesammten Organisation unserer Lehranstalten für Kunstunterricht
überhaupt.