Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

873  874

muthe  JPaul  Qn.  Fixlein  9;  das  fatale  reehnen  Chemie  fauler  Ueinz  ein  Ofen  der  nicht  viel  Sorgfalt
Eichendorff  Taugen.  21;  stolperte..  uber  die  fütalenerfordert;  faule  Grete  Name  des  Sichellrautes,  faule
baumwurzeln  10;  in  neuester  Spr.  auch  noch  mehr  ver-mage  der  Kuckucksblume.  5)  träge,  lässig  machend:
blaßt,  nur  =  unangenchm:  vicht  zu  hauso?  dns  ist  es  ist  heute  faules  wetter.  —  Zusammensetzungen:
fatal;  ich  bin  in  einer  fatalen  lage;  eine  fatale  und  Fanlbaum,  m.  Baum=  oder  Strauchart  mit  stinenden
ärgerliche  geschichte  Keller  Werke  1,  213.  Blättern.  —  Faulbcere,  f.  Veere  des  Faulbaums.  —
Fauchen,  jüngere  Form  für  pfauchen  #u#sll#are.  in-  Faulbeit,  n.  Lotterbett,  sophaartiges  Lager:  werd  io#n
halare,  aspiiare  Stieler,  mhd.  pfüchen;  Verbnm  heruhigt  je  mioh  auf  ein  faulbett  legen  Gocthe
auf  lautmalendem  Grunde,  um  eigentümliche  Laute  Faust  1;  Dim.  auf  einem  seidenen  faulbettchen  Eichenwütender
  Tiere  zu  bezeichnen:  die  katze  fauchet  Campe;  dorff  Taugen.  113.  —  Faulpclz,  m.  eigentlich  der  Pelz
fauchender  hamster  Freytag  Soll  1,  257;  der  fuchs  .  oder  Schimmel,  der  Faules  überzieht;  übertragen  als
fauchte  ihn  wüthend  an  2,  12.  Schelte  für  einen  sehr  trägen  Menschen.  —  Faulreisc,  k.
Fanl,  in  auflösender  Gährung  begrissen.  Gemein=  böchste  Reife  einer  Frucht,  unmittelbar  vor  Ubergang
germ.  Wort,  goth.  kals,  altnord.  füll,  altengl.  ahd.  fül,  —  in  Fänlnis.  —  Fanlticr,  n.  Name  des  amerilanischen
mhd.  val.  mit  ableitendem  1  aus  einer  Wurzel  su  ge-  Ai;  in  grober  Rede  auf  einen  saulen  Menschen  überbildet,
  die  auch  in  griech.  pyon,  lat.  pũs  Eiter,  altind.  L###  tragen.
faulen,  litt.  puvu.  Inf.  puti  faulen  vorhanden  ist;  die  Fäule,  f.  das  Faulfein,  nach  faul  1,  ahd.  füli.  mbd.
eigentliche  Bed.  ist  stinkend.  Die  Steigerungsgrade  in  viule:  putredo  fan!  Dief.;  wir  lesen  das  wein  vor
neuerer  Spr.  ohne,  in  älterer  mehrfach  mit  Umlaut:  fäule  daäut  Garg.  11;  faule  Stelle  im  Holze  Adelung;
viel  ein  feuler  holz  Weish.  Sal.  11,1;  der  fänlsten  san  bei  Gärtnern  eine  solche  an  der  Baumrinde  Jacobsgebört
  der  fäüulst  treek  Fischart  Bienk.  1595.  1)  saul  fou;  im  Bergbau  faules  Gestein;  Krankheit  der  Schafe;
im  eigentlichen  Sinne:  faules  obst,  wasser,  fcisch,  fauler  auch  bei  Menschen,  vgl.  mundfaule;  bei  Winzern  heißt
käse,  faule  cier;  faul  eier  und  stinkend  butter  gehören  cdelfäule,  stocklaule  eine  Art  Uberreife  der  Trauben.
zusammen  Garg.  86;  ein  saul  usz  Hiob  13,  28;  kaul  faulen,  faul  werden,  ahd.  falen,  mhd.  vülen,  nach  faul  1:
holz  41,  18;  als  Krankheit  ein  fauler  zahn,  faules  fleisch  l  der  vin  an  den  reben  fulete  D.  Städtechr.  9,  774;  holam
  Körper;  ein  iglicher  guter  bawm  bringt  gute  fruchte,  D  das  nicht  faulet  Jes.  10,  20;  der  mensch  fault  in  der
aher  ein  fauler  bawm  hringt  arge  fruchte  Matth.  7,  16;  erde,  die  äpfel  faulen  Steinbach;  selten  nach  faul  4,
laul  im  leibe  sind  Tiere,  deren  Magen  und  Gedärme  träge  sein:  darumb  ist  hie  nicht  zu  faulen  und  zu
entzündet  sind  Adelung;  bergmännisch  fauler  gang.  sehlafen  Luther  Ausleg.  der  Episteln  1525;  des  morschmieriges
  und  schlüpfriges  Gestein,  faules  gebirge,  gens  lang  im  bette  mult  BWaldis  Esop  1,  19;  in
mürbes,  brüchiges  Gestein  ebd.;  dasz  der  marmor  ..  neuerer  Spr.  nicht  mehr.  —  faulenzen,  sich  träge  gegeschwöcht
  und  gleichsam  faul  war  Goethe  Benv.  baren.  Iterativbildung  zu  faul,  in  ältester  Form  mittels

fauchen  —  saul.  Faulbaum  —  saunisch.

4,  5;  Schmiede  nennen  faules  eisen  das  durch  überflüssiges
  Hämmern  brüchig  gewordene.  2)  Faulsein  anzeigend:
  fauler  geruch.  geschmack;:  die  faule  lutt  meines
unraths  Schiller  Räub.  4,  5;  etwas  riecht,  dustet
schmeckt  faul.  3)  bildlich  und  in  Redensarten,  =  unrütz,
  schal,  verdorben,  am  sinnlichsten  an  die  faulen
fische  (Matth.  13,  18)  anknüpfend:  das  sind  faule  fische,
Lügen,  Vorwände,  schuttelte  zu  allem  den  kopf  und
brummte.  das  seien  eitle  faule  fische  Gaudy  Erz.  418;
unsinnlicher:  lasset  kein  faul  geschwetr  aus  e#rem
munde  gehen  Eph.  4,  29;  mit  faulen  bossen  Luther
wider  d.  Bischof  zu  Magdeburg  1539;  eine  seer  faule
einrede  wider  den  Wucher  1540;  kümmre  dich  um  deine
faule  sache  Bürger  Frau  Schnips;  jetzt  sehr  gewöhnlich
  faule  redensarten,  ausfluchte,  einwände,  ein  füuler
schuldner;  die  sache  ist  gunz  faul,  es  ist  ihr  gar  nicht
zu  trauen;  festungen,  welche  der  faule  friede  in  Frankreichs
  hand  gelassen  Treitfchke  2,  158.  In  älterer

—

Spr.  es  thut  faul,  ist  fehr  mißlich:  es  thut  faul  seine  S

sunde  zu  bekennen  Luther  Tischr.  104b.  1)  fau!  -
träge,  arbeitsschen,  im  Ahd.  noch  nicht,  aber  im  Mhd.
entwickelt  (an  stebendes  Wasser  angeknüpft:  däucht  mir
mein  herzblut  stehe  faul  als  wie  ein  sumpf  Wieland
Ob.  10,  37):  muezikeit  hät  daz  reht,  si  machet  manegen
fülen  kneht  Freidank  49,  5;  ein  fauler  mensch  ist.
gleich  wie  ein  stein,  der  im  kot  ligt  Sir.  22,  1;  faule
heuehe  Tit.  1,  12;  gebe  hin  zur  emmeiszen,  du  fauler
Spr.  Sal.  6,  6;  der  junggesellen  faulen  trosz  Schiller
3,  171;  sich  auf  die  faule  seite  legen  otio  et  ignari#e
se  dare  Frisch;  scheltend  ein  fauler  schlingel,  fauler
kerl;  saul  sein,  sich  faul  zeigen,  mit  Hinweis  auf  1
auch  er  ist  stinkendfaul;  alle  jre  wechter  .  sind  fauli
Jes.  56,  10;  nieht  faul  sein,  sich  dazu  halten:  seid  nicht
faul  zu  zichen  Richt.  18,  9:  Seufrid  aber  was  nit  faul,
sprang  auf  Wickram  Goldfad.  6#;  er  sei  im  schlngen
nuch  nit  faul  Nachb.  245;  in  gekürzter  Wendung:  (er)
schwenkt,  nicht  faul,  sich  auf  des  königs  maul  Wieland
  Sommerm.  1,  253;  das  (Mädchen)  aber,  nicht
faul,  nahm  ein  huchenes  scheit  JGotthelf  llli  d.  K.
367;  —  bei  Schiffern  faule  sce,  Windstille;  in  der  ältern

der  Silbe  -ezen,  und  zunächst  nach  faul  1,  —  sich  faul,
stinkend  zeigen:  (daß)  der  win  ..  seiger  wart  und  fulezete
D.  Städtechr.  9,  774  (11.  Ih.),  dann  auch  nach  faul  4
in  heutiger  Bed.:  acesch'are  vüllazin  Dies.  (von  1420);
und  fo  in  Schwang  klommend,  indem  die  Endung  nasaliert
  wird:  da  heim  aufm  polster  sitzen  und  faulleuzen
Randglosse  zu  Ruth  2,  7;  wer  fauleuzt,  der  stinket  iedermänniglich
  un  Stieler;  nur  der  derben  Rede  eigen.  —
Fauleuzer,  m.  der  faulenzt:  der  faulenzer  der  nicht
gerne  erbeitet  Luther  v.  Kaufhandlung  1524;  kr
faulenzer!  Eichendorff  Taugen.  38;  in  der  Form
faulenz:  (muß  man)  aus  deiner  haut  den  faulenz  treiben
B  Waldis  Esop  1,  19;  umgedeutet  zu  fauler  Lenz  mit
Anlebnung  an  die  Kofeform  des  Namens  Lorenz  (val.
Wackernagel  kl.  Schrift.  3,  165  fg.).  faulenzer  heißt
auch  das  Faultier  und  ein  bequemer  Lehnstubl.  —
Faulenzerei,  k.  Wesen  und  Treiben  eines  Faulenzers.  —
Faulheit,  k  saules  Wesen,  nach  faul  1  nur  in  älterer
zFr.:  putredo  vulheit,  faulheit,  faulkeit  Dief.;  gewöhnlich
  nach  faul  4:  pigritia  fulkeit,  fulheit,  vaul.
heit  ebd.:  sie  isset  jr  brot  nicht  mit  faulbeit  Spr.
Sal.  31,  27;  sich  der  unachtsamkeit  und  faulheit  ergehen
  Henisch;  in  faulheit  leben  Campe.  —  faulichl,
faulig,  1)  in  Fäulnis  übergehend,  e

tieler;  doch  schien  euch  manche  (Birne)  susz  und
manche  faulig  Strachwitz  Ged.  85;  bei  Adelung
mit  Umlaut  füulichte  krankbeiten  für  solche  die  aus
Fäulnis  der  Säfte  echen=  als  Arztewort.  2)  unsewöhnlich
  —  träge:  ein  fauler  macht  den  andern  fauicht

  Stieler:  die  freiheit  macht  ihn  faulig  ebd.  —

Fäulnis,  f.  nach  faul  1,  Zustand  des  Faulens  und  Verwesens:
  fäulnusz,  pukvecko,  putresactio  Frisch;  frucht,
an  welcher  die  Hulnis  vagt  Schiller  1,  308;  übertragen
  sittliche  fäulnis.

Faun,  m.,  aus  lat.  Fnunns,  der  Name  des  bockfüßigen
Waldgottes  übertragen  auf  einen  niedrig-lüsternen  Menschen,
  Plur.  faune  und  launen;  dazu  faunisch,  in  solcher
Weise  begehrlich:  was  faunen  faunisch  thun  Wieland
Idr.  5,  3;  mächtige  nasc  über  dem  groszen,  faunischen
maunde  Treitschke  2,  336.