Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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und  Gewohnheiten  keine  Folge  gäben,  sondern  vielmehr  den  Weisungen
  der  heiligen  Schrift  gehorchten.  Allerdings  wusste  Johann
nichts  Näheres  über  den  Erfolg,  den  diese  Gesandtschaft  beim  Kaiser
  gehabt  haben  mochte!);  dagegen  war  ihm  kund  geworden,
dafs  die  Sendung  des  Herzogs  Heinrichs  des  Jüngeren  von  Braunschweig-Wolfenbüttel
  seitens  der  Verbündeten  von  Dessau  nach
Spanien  dem  Kaiser,  wie  wir  sogleich  hören  werden,  zu  einer
neuen,  feindseligen  Kundgebung  wider  das  Luthertum  im  Reiche
den  Anlafs  gegeben  hatte.  Jedenfalls  war  klar,  wie  auch  der  Propositions-Entwurf
  betont,  dafs  sie  alle,  die  durch  Gottes  Gnade
seinem  Worte  anhingen,  beim  Kaiser  verläumdet  und  verdächtigt
waren;  eben  um  diese  Verläumdungen  zu  widerlegen,  wollte  man
den  Versammelten  vorschlagen,  dafs  von  evangelischer  Seite  eine

»)  Es  sollte  daher  in  Magdeburg  den  Versammelten  nur  die  Instruktion,
mit  der  die  Gesandtschaft  abgefertigt  war,  vorgelegt  werden.  —  Über  diese
Gesandtschaft  findet  sich,  soweit  ich  sehe,  in  der  Korrespondenz  des  Kaisers
keine  Andeutung;,  dagegen  ist  vielleicht  eine  Spur  derselben  in  einer  Abschrift
  des  St.-A.  zu  Hannover  (Reichstagsakten  des  bischöfl.  Hildesheim.
Archivs)  zu  finden,  die  datiert  ist  aus  Sevilla  in  Andalusien  11.  Mai  1526,
und  überschrieben:  Litterae  ex  Hispania  Moguntiam  de  novitatibus  Hispaniae
et  Caes.  Maj.  transmissae,  Schreiber  und  Adressat  bleiben  ungenannt,  die
Anrede  ist:  „erwirdigen  gunstigen  lieben  hern“.  Der  Schreiber  erwähnt,  dafs
er  schon  unter  dem  8.  April  durch  die  Post  seine  Ankunft  am  Hofe  des  Kaisers
angezeigt  habe;  jetzt  habe  er  nichts  besonderes  zu  schreiben,  „was  euch  in
gemeiner  Copistrei  (sic!)  erfreuen  möchte“,  will  aber  doch  etwas  über  „des
Hofs  Geschrei“  mitteilen.  Er  erzählt  dann  von  der  zweideutigen  Haltung
des  Königs  von  Frankreich  und  der  Bedrohung  des  Friedens  u.s.  w.,  die
Summe  ist,  dafs  der  Kaiser  wohl  dieses  Jahr  nicht  werde  aus  Spanien  fortkommen
  können.  Ferner  über  die  Persönlichkeit  des  Kaisers,  der  seit  seinem
Weggang  aus  Deutschland  viel  männlicher  geworden  sei;  über  die  Anmut
der  jungen  Kaiserin;  über  Feste  bei  Hof;  auch  über  „seltsames  Volk  von  den
neu  erfundenen  Inseln“,  welches  sich  am  Hofe  befindet.  Am  Schlufs  bittet
der  Schreiber:  „ihr  wollet  mich  allen  Herrn  und  guten  Freunden  der  Copistrei
verwandt  befehlen.*  —  Was  „Copistrei“  bedeutet,  habe  ich  nicht  in  Erfahrung
gebracht;  der  Sendort  Mainz,  die  geistlichen  Adressaten,  der  Befund  des
Stückes  in  den  Hildesheimischen  Akten  (Hildesheim  war  Suffraganat  von
Mainz)  legt  aber  die  Vermutung  nahe,  dafs  der  Schreiber  mit  der  Gesandtschaft
  der  Mainzer  Kapitelsgeistlichkeit  zusammenhänge;  auffallend  ist  dabei
dann  allerdings,  dafs  der  Schreiber  andeutet,  er  werde  dauernd  in  der  Umgebung
  des  Kaisers  bleiben:  „unsere“  vorgenommene  Reise,  schreibt  er,  beginnt
  sich  zu  stofsen;  es  ist  zu  besorgen,  „wir“  werden  dieses  Jahr  nicht
nach  Italien  kommen.  Offenbar  soll  der  Schreiber  also  bis  zu  Karls  Wiederankunft
  in  Deutschland  in  dessen  Gefolge  bleiben.

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