Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Vierter Band. (4)

—  10  —

Diesen  Ergebnissen  entsprechend,  trat  in  20  Regierungsbezirken,  welche  mit  Ausnahme
von  Hildesheim,  Koblenz,  Trier,  Sigmaringen  sämmtlich  den  mehr  östlich  gelegenen
Provinzen  Ost=  und  Westpreußen,  Brandenburg  (einschließlich  Berlins),  Pommern,  Posen,
Schlesien,  Sachsen  angehören,  eine  ausgiebigere  Versorgung  mit  Apotheken  als  1887  ein.
Da  gleichwohl  nur  5  dieser  Bezirke:  Stralsund,  Erfurt,  Hildesheim,  Koblenz,  Sigmaringen,
unter  insgesammt  15  Bezirken,  in  denen  weniger  als  10  000  Einwohner  auf  1  Apotheke
kamen  (vgl.  Tabelle  I  b),  sich  fanden,  so  folgt,  daß  die  oben  unter  a  für  Preußen
im  Allgemeinen  festgestellte  Zunahme  des  Apothekenbestandes  hauptsächlich
  solchen  Bezirken  zu  Gute  gekommen  ist,  welche  früher  verhältnißmäßig
  schlecht  versorgt  waren.  Die  am  ausgiebigsten  mit
Apotheken  versehenen  Bezirke  befanden  sich,  abgesehen  von  dem  obenan  stehenden
Sigmaringen  (1  Apotheke  auf  5  491  Einwohner),  nach  wie  vor  überwiegend  in  der  Westhälfte
  der  Monarchie;  es  sind  vornehmlich  die  Bezirke  Aurich  (desgl.  5  922),  Osnabrück
(6584)  und  Stade  (6  920).  1

Der  oben  beregte  allgemeine  Fortschritt  in  der  Versorgung  der  kleinen  Gemeinden
bestand  in  Preußen  zunächst  darin,  daß  sowohl  die  auf  solche  entfallende  höchste  Ziffer  der
Apotheken  von  1/,65  /%00  im  Jahre  1887  (Hohenzollern)  auf  1,62  (desgl.),  als  auch  die
niedrigste  von  0,50  (Schlesien)  auf  066  (Westpreußen)  gestiegen  ist.  Während  es  damals
noch  eine  Provinz  mit  je  19  897  Einwohnern  auf  1  Apotheke  gab,  hat  sich  diese  Ziffer  in
Folge  dessen  auf  17983  ermäßigt.  Im  Ganzen  stellte  sich  für  9  unter  den  13  Landestheilen:
  Hohenzollern,  Rheinprovinz,  Schleswig-Holstein,  Pommern,  Sachsen,  Schlesien,
Posen,  West=  und  Ostpreußen,  eine  vortheilhaftere  Versorgung  der  kleinen  Gemeinden  heraus.
Es  ist  besonders  hervorzuheben,  daß  hierzu  außer  denjenigen  Provinzen,  für  welche  oben
(S.  9)  eine  auf  den  Durchschnitt  aller  Gemeinden  bezügliche  Besserung  der  einschlägigen
Verhältnisse  festgestellt  ist,  auch  Schleswig-Holstein  und  die  Rheinprovinz  gehörten.  Für
letztere,  in  der  die  Regierungs-Bezirke  Koblenz,  Düsseldorf,  Trier  und  Aachen  an  der  ausgiebigeren
  Versorgung  Antheil  hatten,  betrug  der  Unterschied  O,os8  /%00  für  Schleswig-Holstein
  005.  —  Auf  weniger  als  10  000  Einwohner  kam  1  Apotheke  in  den  kleinen
Gemeinden  der  Regierungs-Bezirke  Stralsund,  Erfurt  (neu),  Münster,  Minden,  Sigmaringen
und  sämmtlicher  Bezirke  der  Provinzen  Hessen-Nassau  und  Hannover,  im  Ganzen  von
13  Regierungs-Bezirken  gegen  12  im  Jahre  1887.  Wie  damals,  ereignete  es  sich  auch
1895  mehrfach,  daß  die  kleinen  Gemeinden  sich  besser  mit  Apotheken  versehen  erwiesen  als
die  großen,  nämlich  in  den  Regierungs-Bezirken  Stralsund,  Schleswig,  Lüneburg,  Hannover,
Osnabrück,  Erfurt,  Kassel,  Wiesbaden,  Münster  und  Düsseldorf.

Die  mittelgroßen  Gemeinden  hatten  in  sämmtlichen  Provinzen  mehr  Apotheken
zur  Verfügung  als  die  kleinen  und  großen.  Nach  Regierungs-Bezirken  geprüft,  erleidet
diese  Regel  allerdings  einige  Ausnahmen.  In  Hannover  und  Lüneburg  waren  nänlich
die  kleinen  Gemeinden,  in  Gumbinnen  und  Oppeln  die  großen  besser  versorgt.  Bei  ihrer
kleinen  Zahl  sind  diese  Abweichungen  indeß  ohne  wesentliche  Bedeutung.  —  Man  kann
im  Allgemeinen  annehmen,  daß  in  den  mittelgroßen  Gemeinden  höchstens  10  000
Einwohner  auf  1  Apotheke  kamen.  Für  die  Provinzen  galt  dies  ausnahmslos;  von  den
Regierungs-Bezirken  ist  nur  in  Oppeln  (11  467)  diese  Ziffer  überschritten  worden.  Die
untere  Grenze  bewegte  sich  in  den  Provinzen,  ebenso  wie  1887,  zwischen  5  000  und
6.000,  in  den  Regierungs-Bezirken  zwischen  4000  und  5  000  (Danzig,  Aurich,  Osnabrück,
Kassel)  gegen  damals  3  000  bis  4000.  —  In  Uebereinstimmung  mit  dem  Durchschnitt  des
Reichs  hatten  die  mittelgroßen  Gemeinden  auch  in  Preußen  trotz  ihrer  vergleichsweise  besten
Versorgung  mit  Apotheken  deren  weniger  als  1887  aufzuweisen.  Der  Rückgang  erstreckte