Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zehnter Band. (10)

—  73  —

viele  in  Berlin,  Hamburg,  Lübeck,  Bremen,  sowie  in  Bayern,  Baden  und  dem  Königreich
  Sachsen.

21.  Im  Vergleich  zu  den  früheren  Berichtsjahren  seit  1892  ist  die  Zahl  der  infolge
von  Altersschwäche  gestorbenen  Personen  der  höchsten  Altersklasse  während  der
beiden  Berichtsjahre  1902  und  1903  erheblich  niedriger,  die  Zahl  der  infolge
von  Neubildungen  Gestorbenen  erheblich  höher  gewesen.

22.  Die  Häufigkeit  der  Totgeburten  ist  im  Laufe  der  letzten  Jahre  beträchtlich  zurückgegangen.


23.  Die  erwachsenen  Bewohner  der  Großstädte  sind  durchschnittlich  in  früherem
Lebensalter  gestorben  als  die  Bewohner  der  Mittelstädte,  und  diese  wiederum
in  jüngerem  Alter  als  die  Bewohner  der  kleinen  Gemeinden  des  Reiches  H,  denn
von  je  1000  nach  Ablauf  des  15.  Lebensjahres  Gestorbenen  hatten

in  den  Großstädten  nur.  .  .  407,
„  „  Mittelstädten  436,
„  „.  kleinen  Gemeinden  557

ein  Alter  von  mindestens  60  Lebensjahren  erreicht.

24.  Die  mittlere  Sterbeziffer  der  Kinder  des  ersten  Lebensjahres  war  in  den  Großstädten
  (197  auf  je  1000  Lebendgeborene)  nicht  wesentlich  höher  als  außerhalb
der  Großstädte  (194),  aber  in  den  Mittelstädten  (190)  sowohl  geringer  als  in
den  Großstädten,  wie  auch  geringer  als  in  den  kleinen  Gemeinden.

25.  Magen=  und  Darmkatarrhe  waren  in  den  Großstädten  angeblich  weit  häufiger
als  in  den  anderen  Gemeinden  eine  Todesursache  der  Säuglinge;  auch  Verunglückungen
  und  entzündliche  Krankheiten  der  Atmungsorgane  wurden
als  Todesursache  der  Säuglinge  am  häufigsten  in  den  Großstädten  eingetragen.

26.  Für  Kinder  von  1  bis  15  Jahren  war  die  Sterbeziffer  am  größten  in  den
Mittelstädten  (9,/20%0),  etwas  geringer  in  den  Großstädten  (9,65),  am  geringsten
in  den  kleinen  Gemeinden  (8,70.

An  Tuberkulose  und  an  entzündlichen  Krankheiten  der  Atmungsorgane
  starben  in  den  Großstädten  mehr  Kinder  dieses  Alters  als  außerhalb
der  Großstädte;  in  den  Mittelstädten  sind  tuberkulöse  Leiden  angeblich  etwas
seltener,  aber  entzündliche  Krankheiten  der  Atmungsorgane  etwas  häufiger  als
in  den  Großstädten  die  Ursache  des  Todes  der  Kinder  gewesen.

27.  Für  Personen  des  mittleren  Lebensalters  —  von  15  bis.  60  Jahren  —
war  der  Unterschied  der  Sterbensgefahr  in  den  Großstädten,  Mittelstädten  und
kleineren  Gemeinden  gering,  die  Sterbeziffer  war  am  niedrigsten  in  den  Mittelstädten
  (8,570/00),  am  höchsten  in  den  Großstädten  (§//).  In  den  Groß=  und
Mittelstädten  waren  unter  Personen  dieses  Alters  die  Todesfälle  durch  Selbstmord,
an  Tuberkulose  und  infolge  von  Neubildungen  häufiger,  dagegen  Todessälle
an  Typhus,  entzündlichen  Krankheiten  der  Atmungsorgane  und  infolge
eines  Unglücksfalles  seltener  als  in  den  kleinen  Gemeinden;  Typhustodesfälle
und  tödliche  Verunglückungen  waren  in  den  Mittelstädten  etwas  häufiger  als  in
den  Großstädten.

28.  An  Kindbettleiden  sind  in  den  Großstädten  und  Mittelstädten  weniger
Wöchnerinnen  als  in  den  kleinen  Gemeinden  gestorben,  jedoch  wurde  „Kindbett-1)

  Als  „kleine  Gemeinden“  gelten  nachstehend  die  Land=  und  Stadtgemeinden  mit  weniger  als
40  000  Einwohnern.