Blut. 15
Verbindung stehen und alle inneren Organe versorgen, anch in ihrem Bau
sich von den Gehirn= und Rückenmarksnerven unterscheiden.
In Fig. 10 sehen wir den Zusammenhang des Rückenmarkes mit dem
Gehirn, den Sitz des Groß= und Kleinhirnes und den Abgang der Nervenstränge,
in Fig. 11 die Verteilung der oberflächlichen Kopfnerven.
Keine Bewegung eines Fingers ist möglich, nicht die Entleerung des
Magens oder die Bildung eines Tones in unserem Kehlkopf, ohne daß ein
Reiz hiezu zuerst in unserem Gehirn entsteht und durch die betreffenden
Nervenfäden dem Organe, das in Funktion treten soll, zugeleitet wird. Das
gesündeste Organ ist somit unbrauchbar, wenn die Nerven plötzlich versagen,
und der Wechsel der Zustände bei den Nervösen, die Schmerzen und Störungen
in allen Ecken und Enden des Körpers erklären sich sofort, wenn man weiß,
daß das Nervensystem erkrankt ist und seinen Aufgaben nicht mehr gerecht
zu werden vermag. „Es ist ja nur nervös!“" bedeutet zugleich eine Beruhigung,
zugleich eine Verlegung des Krankheitsherdes nach den für alles
verantwortlichen „Nerven“, was aber keineswegs immer eine leichtere
Krankheitsform bedeutet. Eine Nervosität, die jahrelang besteht, schädigt
endlich auch innere Organe, indem sie ihre natürliche Tätigkeit beschränkt. Die
Magenschmerzen der Neurasthenischen, die plötzliche Stimmlosigkeit Hysterischer
infolge Lähmung der Kehlkopfnerven, krampfartige Schmerzen in Beckenorganen
u. a. m. sind nicht auf Erkrankungen der betreffenden Teile zurückzuführen,
sondern nur auf meist vorübergehende Störungen der Nerventätigkeit.
Wir werden in späteren Kapiteln hören, wie man der Erkrankung
der Nerven vorbengen kann und was jeder in seinem Kreise tun
kann, um schon vorhandene Schwäche und Reizbarkeit zu beseitigen oder doch
zu mildern.
In Fig. 12 ist das Gehirn des Menschen deutlicher dargestellt. Wir
sehen die zahlreichen Windungen an seiner Oberfläche und den Übergang in
das Rückenmark und wissen aus dem Ergebnis sorgfältiger Forschungen, daß
es aus zahlreichen sehr verschiedenen Zellen zusammengesetzt und die Werkstätte
unserer geistigen Tätigkeit ist.
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Das Blut.
Das Blut ist keine gleichartige Flüssigkeit, wie es sich dem unbewaffneten
Auge zeigt, sondern es besteht aus dem Blutwasser (Serum), den
roten und weißen Blutkörperchen und dem Blutfaserstoff. Unter
dem Mikroskope lernt man die Blutkörperchen als kleine Zellen erkennen.
Wenn das Blut gerinnt, entsteht der bekannte „Blutkuchen“, indem der
ausgeschiedene Faserstoff die Blutkörperchen umspannt und eine rote
Gallerte bildet. Im frischen und fließenden Zustand ist vom Faserstoff nichts