IV. Von Jena nach Osterode. 385
doch die Ahnung, daß er einen verhängnisvollen Schritt gethan
habe. Während Luechesini die Ratifikation, die durchzusetzen
er nach Berlin geeilt war, als die Krönung des Werkes feierte,
dem fünf und ein halbes Jahr seine Wünsche und seine Thätig-
keit gegolten, hoffte der König zwar, jetzt, wo sein Verhältnis
zu Frankreich auf Freundschaft und Vertrauen beruhe, würden
ihm diese Gefühle endlich auch von der anderen Seite bethätigt
werden, konnte aber doch den Zweifel nicht los werden, ob
seine ausdauernde Anhänglichkeit, der er so viele Opfer ge-
bracht, vom Kaiser auch werde gebührend gewürdigt werden.
Geschehe das nicht, urteilte er, so sei das ein böses Vorzeichen.
Nie hatte man ihn so verzagt gesehen: selbst in Thränen war
er gelegentlich. Er könne sich, besorgte Lombard, in die neue
Lage nicht finden. Wollte er es vielleicht nicht? Zunächst sah
er in ihr — den Thatsachen entsprechend — nur das Ergeb-
nis eines unwiderstehlichen Zwanges. Erst Haugwitz brachte ihm
eine andere, unzutreffende Auffassung bei. Daß Preußen von
Frankreich in Abhängigkeit geraten, machte dieser ihn glauben,
sei nur eine Ausstreuung ihrer gemeinsamen Feinde, um Zwie-
tracht zu stiften; Napoleon wisse, welches Gewicht Preußen
gegen ihn in die Wagschale zu legen habe, und müsse Preußens
Macht um seiner eigenen willen fördern. So fragte sich der
König schließlich, ob er es nicht am Ende bisher an dem rechten
Vertrauen zu Frankreich habe fehlen lassen, und wollte hinfort
alles vermieden sehen, was die junge Freundschaft beeinträchtigen
könnte. Lnechesini sollte in Paris alle Zweifel an seiner Loyali-
tät zerstreuen. Denn er wußte, daß solche bestanden, und fürchtete
sie. Vergaß Napoleon doch nicht, welche Gefahr ihm ohne den
Tag von Austerlitz Preußens bewaffnete Vermittelung bereitet
haben würde. Er argwöhnte bei dem König persönliche Ab-
neigung gegen das Bündnis und verlangte, dieser Verdacht solle
durch die Haltung des Hofes und der Gesellschaft in Berlin wider-
legt werden. In Hardenberg haßte er den angeblichen Urheber
des Potsdamer Vertrages vom 3. November 1805. Im Moniteur
vom 26. März ließ er ihn als den ehrlosesten Menschen in
Europa, als meineidig und Verräter bezeichnen. Hardenbergs
Rücktritt stand bereits fest: dieser Zwischenfall beschleunigte
Prutz, Preußische Geschichte. III. 25