Zusammenfluß von Verbrechen und Vergehen. 91
den sei, oder die Strafe, sei es ganz oder theilweise,
erstanden habe.
Ebendeshalb aber, weil die Bestimmungen des
StGB. über den Zusammenfluß durch das Gesetz
vom 29. Aug. 1848 nicht aufgehoben worden, sondern
unverändert bei gesetzlicher Kraft verblieben
sind, kann der Art. 2 desselben ebensowenig wie die
allegirten Motive zur Interpretationsquelle bezüglich
des im Art. 108 Th. I des StGB. enthaltenen
Ausdruckes: „noch nicht bestrafte Verbrechen“
benützt werden, da derselbe bereits durch die Fassung
des Art. 111 ibidem und die Anmerkungen Bd. 1
S. 251 seine Erklärung hinreichend und veutlich erhalten
hat, mithin keiner neuen Auslegung bedurfte,
und es würde noch überdies durch die Anwendung
des Art. 2 des oben erwähnten Gesetzes nebst vessen
Motiven auf den Begriff des Zusammenflusses ein
Wlbverspruch nicht nur mit' den Grundsätzen, welche
die noch geltenden Bestimmungen des StGB. über
den Zusammenfluß aufstellen, sondern auch sogar
mit der Absicht und dem Zwecke des mehrbesagten
Art. 2 herbeigeführt werden.
Die Absicht und der Zweck desselben war lediglich
darauf gerichtet, die strengen und bei ihrer Anwendung
schwierigen Bestimmungen des StGB.
über den Rückfall zu beseitigen, und dafür wurde
festgesetzt, daß in allen Fällen und ohne weitere
Unterscheidung der Rückfall nur als Erschwerungsgrund
betrachtet werden soll, weshalb denn auch
die engeren Merkmale des Rückfalles, welche das
Strafgesetzbuch voraussetzte, von selbst hinwegfielen,
und hierauf beruht allein der Grund, warum in dem
Artikel nicht unterschieden wurde, ob in dem früheren
Falle der Verbrecher blos verurtheilt worden
sei, oder die Strafe — sei es ganz oder theilweise
erlitten habe.