Full text : Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich. Dritter Jahrgang. (3)

71)  Die  Organisation  d.  Vermessungswesens  u.  d.  Anfertig.  neuer  Gemarkungskarten.  71

die  zur  Fertigstellung  der  Landeskarte  noch  erforderlichen  geometrischen
Arbeiten  ausführen  lassen.  Diese  Personalvorsteher  find  vereidete  Feldmesser,
  die  meist  in  anderen  Provinzen  schon  Subnumerare  waren.  Sie
erhalten  fixrirte  Diäten  und  Bureaugelder,  während  die  unter  ihnen  arbeitenden
  Feldmesser  und  Geodäten  nach  Tarifsätzen  arbeiten.  Diese  Arbeiten
  sind  der  Vollendung  nahe.

Die  geometrischen  Arbeiten  zur  Fortführung  der  Karte  (welche  letztere
wie  gesagt  nicht  überall  auf  das  Triangulationsnetz  des  großen  Generalstabes
  bafirt  ist)  beschränken  sich  im  Wesentlichen  auf  die  Aufnahme  und
Eintragung  der  Kultur=  und  Besitzveränderungen  in  die  Karten  und  Mutterrollen
  und  dienen  erstere  nur  zur  Veranlagung  der  Grund=  und  Häusersteuer.
  Denn  da  weder  ein  Anschluß  an  ein  wissenschaftlich  begründetes
Dreiecksnetz,  noch  eine  allgemeine  Vermarkung  des  Grundbesitzes  vor  Anfertigung
  der  Karte  stattgefunden,  so  find  auch  die  befseren  Karten,  sowohl
für  größere  Arbeiten  zu  anderweiten  Landeskulturzwecken,  Anlage  von  Eisenbahnen
  u.  s.  w.,  sowie  als  Basis  für  eine  geregelte  Hypothekenordnung,
bezüglich  zur  Führung  des  Grundbuches  ungenügend.

An  maßgebender  Stelle  hat  man  jedoch  die  Nothwendigkeit  einer
systematischen  Vermarkung,  als  Grundlage  der  Vermessung,  auch
in  Preußen  anerkannt,  es  geht  dieses  aus  einer  Bestimmung  des  dortigen
Finanzministeriums  hervor,  betreffend  das  Verfahren  bei  Erneuerung
  der  Karten  und  Bücher  des  Grundsteuer-Katasters,
nach  welcher  die  Neumessungen  ausgeführt  werden,  es  heißt  da  im  §  85:

„Es  ist  für  die  Sicherstellung  der  Vermessungsergebnisse,  namentlich
  aber  im  eigenen  Interesse  der  Grundeigenthümer  von  großer  Wichtigkeit,
  daß  die  Eigenthumsgrenzen  in  genauer  Weise  dauernd  vermarkt
werden.  Auf  die  gute  und  zweckmäßige  Ausführung  einer  solchen  Vermarkung
  ist  daher  in  jeder  thunlichen  Weise  hinzuwirken.“

Desgleichen  sagt  die  preußische  Anweisung  vom  31.  März  1877  für
das  Verfahren  bei  den  Vermessungen,  behufs  Fortschreibung  der  Grundsteuerbücher
  und  Karten  in  der  Provinz  Westfalen  und  der  Rheinprovinz
in  3  11:

„Wo  eine  geregelte  und  dauerhafte  Aussteinung  der  Grundeigenthumsgrenzen
  noch  nicht  in  genügender  Weise  besteht,  hat  der  Katasterkontroleur
  auf  die  Vortheile  fester  Grenzmarken  aufmerksam  zu
machen,  damit  das  Setzen  derselben  vor,  mindestens  aber  bei  der  Vermessung
  bewirkt  werde."“

Den  Katasterkarten  durch  Gesetz  die  Beweiskraft  öffentlicher  Urkunden
in  Bezug  auf  die  Begrenzung  der  Grundstücke  zu  geben,  ist  übrigens  schon
seit  langer  Zeit  das  Ziel  rheinischer  Grundbefitzer,  und  ist  in  diesem  Punkte
namentlich  eine  Denkschrift  interessant,  welche  von  dem  landwirthschaftlichen
Berein  zu  Bonn,  einer  Sektion  des  rheinischen  Landes-Centralvereins,  dem
preußischen  Ministerium  überreicht  wurde,  und  deren  Wortlaut  in  der  Zeitschrift
  des  rheinischen  Landes-Centralvereins  im  Jahrgang  1871  S.  206—213
veröffentlicht  worden  ist.  Als  Inhalt  eines  betreffenden  Gesetzes  wurde
Folgendes  vorgeschlagen:

„Die  Katasterkarten  haben  die  Beweiskraft  öffentlicher  Urkunden  in
Bezug  auf  die  Begrenzung  der  Grundstücke  zur  Zeit  ihrer  Aufnahme