114 Viertes Buch. II: Bruch zwischen dem Kaiser und Heinrich.
Frieden anbieten. Freilich er fühlte sich nicht als Besiegter, wie auch seine
Gegner den tatkräftigen und entschlossenen Herrscher und das Reich zu fürchten
sortfuhren und zum friedlichen Ausgleiche wohl geneigt waren. Aber seine
hochgesteckten Ziele, den Anspruch auf Weltherrschaft, auf das Ubergewicht
auch über die kirchliche Macht mußte Friedrich aufgeben. Um so wirkungs-
reicher sollte seine Gewalt im Innern Deutschlands aufgerichtet werden: hier
sollte der Mann seine Strafe empfangen, der sich vermessen gegen ihn erhoben
sich ihm gleichzustellen gewagt, das meiste zu seiner Niederlage beigetragen
hatte. Schon stand es sicherlich bei Friedrich fest, mit allen Mitteln Rache an
Heinrich zu nehmen und dessen Mitkaisertum in Deutschalnd zu brechen.
Auch den Lombarden und dem Papste mußte der Friede willkommen sein:
jenen, damit nicht Jahr für Jahr der Strom der Verheerung sich über ihre
fruchtbaren Auen und blühenden Städte ergieße; diesem, damit er endlich die
Anerkennung in dem größten Reiche des Abendlandes erlange. Vorzüglich
21. Okt. Alexander zeigte sich zur Aussöhnung bereit, und so knüpfte Friedrich mit dem
1176 Papste Friedensverhandlungen an?), die nach langer Dauer und manchen
1177 Wechselfällen endlich zu dem Frieden von Venedig führten. Auf den Stufen
24 Juliessder Markuskirche stand der Papst, den reumütigen Staufer zu erwarten. Dem
Kaiser entgegen aber schickte er mehrere Bischöfe und Kardinäle, um ihn zu be-
willkommnen und vom Banne zu befreien, ehe er mit dem Papst zusammen-
käme. Laut und öffentlich entsagte der Kaiser den früheren Gegenpäpsten
und dem jetzigen; dann ward er feierlich vom Banne befreit und in den Schoß
der Kirche wieder aufgenommen. Hierauf begaben sich Friedrich und seine
Fürsten zu Wasser vor die Markuskirche.
In der Erregung des Augenblicks warf Friedrich, als er aus dem Schiffe
trat und die Gestalt seines mächtigen Gegners vor sich sah, seinen kostbaren
Mantel ab und stürzte sich dem Papste zu Füßen. Weinend hob der ihn auf,
küßte und segnete ihn?““). Da stimmten die Deutschen ein lautes und kräf-
tiges Tedeum an, der Kaiser aber ergriff die Rechte des Papstes und führte
ihn in die Kirche, wo er nochmals den feierlichen Segen empfing.
Aber natürlich war mit solchen rührenden Szenen das Friedenswerk nicht
beendet, vielmehr bedurfte es der festen Regelung aller der vielfach verwirrten
kirchlichen Verhältnisse. Es wurde also folgendes festgesetzt: Der Kaiser er-
kannte Alexander als den rechtmäßigen Papst anf); gestand der Kirche einen
vollkommenen, dem König Wilhelm II. von Sizilien einen fünfjährigen Frie-
*) Chronicon Fossae-Novae ap. Bouquet, Recueil des Historiens des Gaules et de
la France, t. XV. p. 736. — Card. Arag., p. 467 ff. — Jaffé, Regesta Pontificum
Romanorum, p. 768, Nr. 8444. 8449.
*#) Romuald. Salern., p. 452. — Card. Arag., p. 471. — Jaffé, Reg. Pontif. Rom.,
p. 773, Nr. 8508. — Chr. Fossae-Novae, p. 738. — Chron. Regia Colon., p. 129. —
An. Mediol., p. 377. — An. Magdeb., p. 194. — Chron. Magni Presb. Reichersp.,
7 503. — Falsche Daten bei den An. Veronens., p. 4 und den Annales Casinenses
G. Ss. XIX, 312.
*#½#% Krit. Erört. I b.
fo) Romuald. Salern., p. 454; u. a. m.