308 IX. Der Ausgang.
In dem Grundgedanken, andernfalls weiterzukämpfen, schien
zwischen Politik und Kriegführung vollständige Einigkeit zu bestehen.
Am 5. Oktober sprachen sich der Reichskanzler Prinz Max von
Baden und Reichstagspräsident Fehrenbach im Namen der Re-
gierung, des Reichstages und des deutschen Volkes bestimmt und
deutlich für den Weiterkampf aus, falls die Friedensbedingungen
unannehmbar seien.
Der Reichskanzler führte aus: „Wie dieses Ergebnis (das
Friedens= und Waffenstillstandsangebot) auch ausfallen möge: ich
weiß, daß es Deutschland fest entschlossen und einig finden wird,
sowohl zu einem redlichen Frieden, der jede eigensüchtige Verletzung
fremder Rechte von sich weist, als auch zu einem Endkampf auf
Leben und Tod, zu dem unser Volk ohne eigenes Verschulden ge-
zwungen wäre, wenn die Antwort der mit uns im Kriege stehenden
Mächte auf unser Angebot von dem Willen, uns zu vernichten,
diktiert sein sollte."“
Präsident Fehrenbach sagte: „Aber ebenso wie jeder einzelne
Soldat an der Front, so ist auch jeder Deutsche daheim bereit, für
das Vaterland, wenn es gefordert werden sollte, jedes Opfer zu
bringen.“
Daß beide Männer, wie aus ihren Reden hervorging, immer
noch nicht eingesehen hatten, daß von jeher das deutsche Volk zu
einem Kampf auf Leben und Tod gezwungen war und von jeher
die Lage von jedem Deutschen jedes Opfer forderte, gab keinen
Anlaß, an der Echtheit ihrer überzeugung zu zweifeln. Es war nur
ein Zeichen ihrer demokratischen Weltfremdbeit, die sie nicht sehen
ließ, daß diese Forderungen nicht erst nach dem 5. Oktober 1918,
sondern klipp und klar seit dem 18. Januar 1871, als Deutschland
den Grundstein zu seiner politischen und wirtschaftlichen Macht-
stellung legte, an das deutsche Volk gestellt wurden.
Die O. H. L. gab ihre Zustimmung, das Angebot an Wilson zu
richten. Sie schlug aber vor, es auch den feindlichen Großmächten
zuzustellen.
Wenn behauptet wird, daß sie die Note entworfen hätte,
so ist das ein Irrtum. Sie hat sich nur zu einem Vorschlage ge-