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einer 50°, Alkohol enthaltenden Lösung ist nämlich die Dissoziation der Essigsäure
so gering, daß Methylorange rein gelb erscheint. Sobald aber eine starke Säure zugesetzt
wird, tritt, wie wir bei unseren Versuchen bestätigen konnten, eine rotgelbe
Farbe auf. Essige, die Schwefelsäure in !/goo - normaler Konzentration enthielten,
unterschieden sich schon deutlich von Essig ohne Säurezusatz. Selbst in stark gefärbten
Essigen ließ sich der Säurezusatz bis zu einer Konzentration von fast !/ıoonormal
noch durch Tüpfeln auf Methylorangepapier!) erkennen. Als maßgebend ist
dabei die Farbe anzusehen, die erhalten wird, sobald die alkoholische Lösung auf das
Papier gebracht wird; infolge Verdunstens des Alkohols ändert sich die Farbe ziemlich
rasch. Für genauere Bestimmungen war es erforderlich, die erhaltene Farbe mit der,
welche ein Tropfen eines alkoholischen, von starker Säure freien Essigs auf dem
Reagenzpapier hervorrief, zu vergleichen. In Fällen, in denen auch der im Essig
enthaltene Farbstoff beim Tüpfeln auf dem Reagenzpapier eine spezifische Farbe hervorruft,
läßt sich der Säurezusatz dadurch nachweisen, daß man neutralisiert und die
Farbe, die diese Lösung hervorbringt, mit der, welche eine nicht neutralisierte Probe
hervorruft, vergleicht. Ergibt sich dann kein Farbenunterschied, so ist keine freie
starke Säure im Essig enthalten.
4. Quantitative Bestimmung starker Säuren.
Diejenigen Indikatoren, mit Hilfe deren man die Anwesenheit starker Säuren im
Essig erkennen kann, eignen sich auch zu deren quantitativen Bestimmung. Wenn man
zu der Mischung einer starken Mineralsäure mit Essigsäure Natronlauge hinzusetzt, so
wird im wesentlichen zunächst die starke Säure neutralisiert; sobald gerade die dieser
Säure äquivalente Menge Alkali hinzugesetzt ist, ist die durch Dissoziation der freien
Säure vorher bewirkte höhere Wasserstoffionkonzentration verschwunden und es bleibt
nur der geringe, durch die Dissoziation der schwachen Säure erzeugte Wasserstoffiongehalt
übrig. Durch einen geeigneten Indikator kann dieser Umschlagspunkt kenntlich
gemacht werden. |
Hilger?) hat als erster die Titration starker Säuren im Essig mit Methylviolett
als Indikator durchgeführt. Vermutlich aus dem Grunde, weil in verdünnter Lösung
der Umschlag der Farbe wenig scharf erfolgt, hat er die Lösung konzentriert und,
um beim Abdampfen nicht freie Säure entweichen zu lassen, die gesamte Säure
vorher mit Natronlauge neutralisiert. Nach der Einengung wurde Methylviolett hinzugesetzt
und mit Salzsäure zurücktitriert. Der Mehrverbrauch an Natronlauge gegenüber
der Säure gibt dann die schon vorher im Essig vorhandene freie starke Säure
an. Nach dem Verfahren von Hilger neutralisiert man vor dem Eindampfen die
gesamte freie Essigsäure, doch ist es weder erforderlich noch empfehlenswert, so viel
Alkali zuzusetzen; es ist nur nötig, eine bestimmte Menge Alkali zuzugeben, die nur
um ein wenig größer zu sein braucht als die, die der Menge der anwesenden stärkeren
Säure entspricht. In diesem Falle ist nämlich beim Eindampfen sämtliche starke
1) Genaue Ergebnisse wurden jedoch nur mit durch Methylorange gefärbtem Filtrierpapier
erhalten, glattes Papier erwies sich als unbrauchbar.
2) a.a.0.
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