Full text : Die Gründung des Deutschen Ordenstaates in Preußen.

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vernahm  Christian  die  überraschende  Botschaft  und  eilte,  von  einigen
Nittern  und  mehreren  Predigerbrüdern  165)  begleitet,  in  das  Gebiet
der  Pomesanier,  um  die  günstige  Stimmung  zu  benützen.  Erst  von
dort  aus,  nachdem  er  schon  Viele  unterrichtet  und  getauft  hatte,  berichtete
  er  die  glückliche  Wendung  der  Dinge  an  den  Papst.“"#)  bat
ihn  aber  zugleich,  damit  nicht  ein  längerer  Widerstand  der  übrigen
Landschaften  die  Pomesanier  in  ihrer  Gesinnung  wieder  wankend
mache,  durch  die  Predigerbrüder  der  benachbarten  Länder  gegen  die

er  selbst  sagt  uns  das  Acta  Bor.  I,  430.  vgl.  unfre  Ur  k.  27.  Nun  wissen  wir  aber,
daß  Kulm  im  J.  1232  von  dem  Orden  besetzt  ward  und  1233  von  demselben  eine
neue  Verfassung  erhielt.  Vgl.  I#Cuense  ap.  Dusb.  ed.  Hartknoch.
pg.  353  und  Dusburg.  III.  c.  8.  Dies  ist  aber  nach  der  Gefangennehmung  des
Bischofs  geschehen.  Acta  B.  I.  c.  Also  kann  die  Gesangenschaft  des  Bischofs  nicht
später  als  1232  fallen.  —  Aber  sie  fällt  noch  früher.  Denn  erstens  ist
nicht  anzunehmen,  daß  der  Betrug  der  Pomesanier  1231  lange  gewährt  haben
sollte.  Zweitens  während  jedesmal,  so  oft  ein  großes  Unglück  über  das  Kulmische
Land  kam,  Christian  es  ist,  der  um  Hülse  und  Rettung  an  den  Papst  sich  wendet,
vernehmen  wir  in  dem  furchtbaren  Kriegszug  der  Preußen  Ende  1231,  der  verheerender
  als  alle  früheren,  über  Masovien,  Cujavien  und  Pommen,  also  auch
über  das  Kulmische  losbrach,  von  den  Bischösen  der  zuerst  genannten  Länder  die  jammewollsten
  Hülferuse  an  den  Papst  (ogl.  Raynald  1232.  n.  6.),  und  zwar  in  Verbindung
  damit  die  Bitte  um  Unterstützung  des  Ordens,  d.  h.  der  Vasallen
Christians  in  Preußen,  durch  eine  Kreuzfahrt,  —  von  Christian  aber  keinen
Laut  mehr.  Das  ist  unerklärlich,  wenn  er  nicht  vor  eben  diesem  Sturme,  also
Ende  1231,  bereits  in  den  Händen  der  Heiden  war.  Von  dem  auf  seine  Gefangenschaft
  solgenden  großartigen  Ueberfall  der  christlichen  Länder  redet  auch  Gregor
  in  jenem  Briese  vom  7.  Okt.  1233.:  „Episcopum  Pruscie  —  sacrilegis
manibus  capere  presumpserunt,  ##lus  postmochemn  mittero  gestientes  ad  fortia,
  si  sorte,  rock  cösik  popickus  domiint  cedour  rel  decidat,  riolentis  eorum
ineurasibus  consternatus.““  Der  große  Kriegszug  faͤllt  in  den  Winter  des  Jahres
1231,  der  darauf  bezügliche  Brief  Gregors  ist  datirt  vom  23.  Januar  1232.  Die
Gesangennehmung  des  Bischofs  fällt  also  in  den  Herbst  1231.
Von  da  an  bis  1240  kommtauch  sein  Name  in  keiner  einzigen  Urkunde  vor.

192)  Der  Brief  Gregors  an  die  Pomesanier  und  Passalucenser  redet  von
Predigerbrüdern,  welche  unter  jenen  in  der  Verkündigung  des  Evangeliums
thätig  waren.  So  ergänzen  sich  die  beiden  Briefe.  Später  werden  wir  hören,  daß
mehrere  Predigerbrüder  mit  Christian  in  der  Gefangenschaft  lebten.

193)  Vgl.  Urk.  23.