95
vernahm Christian die überraschende Botschaft und eilte, von einigen
Nittern und mehreren Predigerbrüdern 165) begleitet, in das Gebiet
der Pomesanier, um die günstige Stimmung zu benützen. Erst von
dort aus, nachdem er schon Viele unterrichtet und getauft hatte, berichtete
er die glückliche Wendung der Dinge an den Papst.“"#) bat
ihn aber zugleich, damit nicht ein längerer Widerstand der übrigen
Landschaften die Pomesanier in ihrer Gesinnung wieder wankend
mache, durch die Predigerbrüder der benachbarten Länder gegen die
er selbst sagt uns das Acta Bor. I, 430. vgl. unfre Ur k. 27. Nun wissen wir aber,
daß Kulm im J. 1232 von dem Orden besetzt ward und 1233 von demselben eine
neue Verfassung erhielt. Vgl. I#Cuense ap. Dusb. ed. Hartknoch.
pg. 353 und Dusburg. III. c. 8. Dies ist aber nach der Gefangennehmung des
Bischofs geschehen. Acta B. I. c. Also kann die Gesangenschaft des Bischofs nicht
später als 1232 fallen. — Aber sie fällt noch früher. Denn erstens ist
nicht anzunehmen, daß der Betrug der Pomesanier 1231 lange gewährt haben
sollte. Zweitens während jedesmal, so oft ein großes Unglück über das Kulmische
Land kam, Christian es ist, der um Hülse und Rettung an den Papst sich wendet,
vernehmen wir in dem furchtbaren Kriegszug der Preußen Ende 1231, der verheerender
als alle früheren, über Masovien, Cujavien und Pommen, also auch
über das Kulmische losbrach, von den Bischösen der zuerst genannten Länder die jammewollsten
Hülferuse an den Papst (ogl. Raynald 1232. n. 6.), und zwar in Verbindung
damit die Bitte um Unterstützung des Ordens, d. h. der Vasallen
Christians in Preußen, durch eine Kreuzfahrt, — von Christian aber keinen
Laut mehr. Das ist unerklärlich, wenn er nicht vor eben diesem Sturme, also
Ende 1231, bereits in den Händen der Heiden war. Von dem auf seine Gefangenschaft
solgenden großartigen Ueberfall der christlichen Länder redet auch Gregor
in jenem Briese vom 7. Okt. 1233.: „Episcopum Pruscie — sacrilegis
manibus capere presumpserunt, ##lus postmochemn mittero gestientes ad fortia,
si sorte, rock cösik popickus domiint cedour rel decidat, riolentis eorum
ineurasibus consternatus.““ Der große Kriegszug faͤllt in den Winter des Jahres
1231, der darauf bezügliche Brief Gregors ist datirt vom 23. Januar 1232. Die
Gesangennehmung des Bischofs fällt also in den Herbst 1231.
Von da an bis 1240 kommtauch sein Name in keiner einzigen Urkunde vor.
192) Der Brief Gregors an die Pomesanier und Passalucenser redet von
Predigerbrüdern, welche unter jenen in der Verkündigung des Evangeliums
thätig waren. So ergänzen sich die beiden Briefe. Später werden wir hören, daß
mehrere Predigerbrüder mit Christian in der Gefangenschaft lebten.
193) Vgl. Urk. 23.