Volltext : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Heinrichs  Unterwerfung.  453

sitzungen  entrissen  zu  werden  drohten,  ein  Ende  zu  machen.  Deshalb  ließ  er
sich,  nach  Erlangung  freien  Geleites,  durch  den  Erzbischof  Wichmann  von
Magdeburg  gleichsam  als  dessen  Schutzbefohlener  auf  den  kaiserlichen  Reichstag
  zu  Erfurt  führen  und  fiel  dort  dem  Kaiser  zu  Füßen,  indem  er  sich  dessen  e.  10.
Gnade  ganz  anheim  gab).  Von  diesem  Anblicke  wurde  der  Kaiser  tief  Nov.“)“
gerührt.  Vor  seine  Erinnerung  traten  die  langen  Jahre,  während  deren  enge
Freundschaft  sie  beide  verbunden,  während  deren  sie  beide  Schulter  an
Schulter  gekämpft  hatten,  auf  dem  Schlachtfelde  und  im  Rate  der  Fürsten,
dann  wieder  der  Tag,  an  dem  er  selbst  sich  vor  dem  gedemütigt,  der  ihm  jetzt
zu  Füßen  lag,  und  der  lange,  blutige  Hader  zwischen  ihnen;  endlich  die  Erwägung,
  daß  er  wohl  an  diesem  jähen  Umschwunge  nicht  ganz  schuldlos  sei.
Tränen  entströmten  seinen  Augen,  schnell  hob  er  den  Herzog  auf  und  küßte
ihn  auf  den  Mund.  Aber  als  die  zahlreich  anwesenden  Fürsten  die  nahende
Versöhnung  sahen,  erfüllte  ihr  Herz  sich  mit  Ingrimm.  Jetzt  endlich  hatten  sie
mit  äußerster  Anspannung  ihrer  eigenen  Kräfte  den  stolzen  Welfen  niedergeworfen,
  seinen  Hochmut  gezüchtigt,  seine  Herrsch=  und  Eroberungssucht  unschädlich
  gemacht,  und  da  sollten  seine  Vergehen  vergeben  und  vergessen  werden
  und  er  die  frühere  Macht  zurückerlangen,  damit  er  sein  altes  Spiel  von
neuem  beginnen  und  an  ihnen  desto  schrecklichere  Rache  nehmen  könne?  Dies
wollten  sie  nicht  dulden.  Einmütig  gingen  sie  zum  Kaiser  und  zwangen  diesen,
der  ja  zum  größten  Teil  auf  ihren  guten  Willen  angewiesen  war,  ihnen  bei
seinem  königlichen  Throne  zu  schwören,  daß  Heinrich  nur  mit  ihrer  aller  Einwilligung
  seine  früheren  Besitzungen  wieder  erhalten  solltef).  Eine  tatsächliche
  Illustration  erhielt  dieser  Schwur,  als  jetzt  Schloß  Homburg,  ein  Zubehör
  der  Heinrich  rechtmäßig  zuerkannten  winzenburgischen  Grafschaftit),
das  aber  Bischof  Adelhog  von  Hildesheim  fälschlich  als  ein  Lehen  seiner  Kirche
bezeichnete,  dem  Herzog,  wie  alles,  was  er  als  Lehen  besaß,  entzogenff##t)
und  ferner  die  Verhältnisse  des  sächsischen  Palatinats  endgültig  geordnet
wurden.  Landgraf  Ludwig  von  Thüringen,  der  zu  Gelnhausen  Pfalzgraf
von  Sachsen  geworden  wars),  trat  diese  Würde  jetzt  seinem  Bruder  Hermann
  abö#)h.

Der  endliche  Schiedsspruch  des  Kaisers  und  der  Fürsten  über  Heinrich  den

 

*)  25  000  Mark,  doch  war  damals  das  Geld  fast  zwanzigmal  teurer  als  jetzt.

½½%%  Krit.  Erört.  IVa.  —  Anon.  Saxzo,  p.  112.  —  An.  Erphesf.  Maj.  —  Arn.  Lubic.
II.  22:  Dux  ..  totum  se  submittens  gratiae  imperatoris  venit  ad  pedes  eius.

%%  Arn.  Lubic.  II,  22.  —  Catalogus  archiepiscoporum  Bremensium  ap.  Mencken,
Scr.  r.  Germ.  III,  p.  790.

fü0  Arn.  Lubic.  L.c.

X)  Seite  135.

ft##l  Scheid,  Oria.  Guelf.  III,  p.  110,  f.  Altenstücke,  p.  547  ff.  —  Chroniocon  Hildeshemense
  ap.  Leibnitz,  Scr.  Br.  I.  p.  748.

5)  Siehe  S.  437,  Anmerkung  ?),  sowie  Krit.  Erört.  Mh.

SS)  Ann.  8.  Petri.  Erphesf.  Maj.,  p.  66.  —  Chr.  S.  Petri  Erford.  Mod.,  p.  191.  —
Hartung,  S.  .  *  Grafschaft  Commerschenburg  selbst  war  an  das  Sth  alberstadt,
  die  Allode  des  Hauses  Sommerschenburg,  größtenteils  in  der  Grafschaft  Seehausen
  gelegen,  an  das  Erzstift  Magdeburg  gekommen;  Krit.  Erört.  II  h.