178 Barbarossas Selbsttäuschung
Das Gefecht vor Duthumi zog sich durch Kautschuk, Baumwolle,
Mtama, Busch, Elefantengras und schmale Striche hohen
Waldes dahin. Der Weg zu der weit hinten gelegenen Derwundetensammelstelle
führte in eckigem Zickzack durch zwei Meter hohes,
hartes Gras. Diesen Pfad hatten wir durchgeschlagen und durchgetreten
und mit Grasfähnchen gekennzeichnet. Einzeln nach binten
geschickten Schwerverwundeten gaben wir stets einen Askari zum
Schutz besonders auch gegen Naubtiere mit. Plötzlich erklang in
unserem Rücken, am Mgetafluß, Maschinengewehrfeuer, was bedeutete,
daß wir nunmehr eingeschlossen, vom Wasser und unseren
rückwärtigen Derbindungen abgeschnitten waren. Ein Befehl kam,
und wir liefen dorthin, aber auf halbem Wege erwartete uns an
einer Sütte, über die grüne Hapajen dünne Schatten warfen, schon
wieder ein Gegenbefehl: Zurück! Marsch! Einige Askari aus der
Rompagnie des allzeit so wohlgemuten „Kaisers Barbarossa“
hatten an dem Brückenkopf Gespenster gesehen und tränkendes
Wild im Salbdunkel für Feinde angesprochen. Die Geschichte trug
ihm einen scharfen Anpfiff von Lettow ein, der indessen bald
wieder wettgemacht und vergeben ward. Ein hellichtes, hochrotes
Flammenmeer trennte uns vom Gegner, der wieder mal mit ungeheurer
Uebermacht auf den Söhen stand, aber in den letzten
Tagen allzu böse Schläge erlitten hatte. Wir lösten uns von ihm
und marschierten südwärts, wie wir wähnten, zu dem drei Tagemärsche
entfernten Rufidji. Gleich am Mgetafluß aber schon verankerte
sich Lettow in zäher Energie und hielt den Gegner noch
monatelang an diesem wichtigen Hunkte auf. Wir lagen jetzt im
jungfräulichen Busch.
Die Abteilung TLieberman saß vorne an beiden Seiten des
Flusses und hatte zunächst alles auszubaden. Wir beide, Tieberman
und ich, lagerten unter einem kleinen Bäunchen und fuhren allnächtlich
auf, wenn der Gegner, wie in sprunghafter Laune, einen
Feuerüberfall versuchte. Am ersten Morgen, lange vor Sonnenaufgang,
hörte ich ein schnarrendes Grammophon und gedachte sofort
eines Gutsaufenthaltes in der Mark, wo mich eines Nachts
eine zarte Musik: „Stille Nacht, beilige Nacht“, geweckt und ich
zuerst an Spuk hatte glauben wollen; es war jedoch nur der mir
bis dazumal gänzlich unbekannte musikwecker gewesen, der mich
zum Anstand rief. Die heutige Grammophonnummer, welche in
lustitzem Gezwitscher endete, durfte ich wohl den seltsamsten Balz-