Der Abschluß der Kapitulation vom 2. September. 469
politisch beschränkten Koterien der französischen Presse sei. öch entgegnete nur, daß in
Deutschland niemand den Krieg gewollt habe, namentlich Cure Majestät nicht, und daß die
Ipanische Srage für keine deutsche Regierung ein nteresse, welches eines Krieges wert
gewesen wäre, dargeboten hätte. Cuerer Majestät Stellung zu der spanischen Thronbesetzung
sei schließlich durch den Gewissenszweifel bestimmt worden, ob es recht sei, der spanischen
Nation den Versuch, durch diese Königswahl zur Wiederherstellung dauernder innerer Ein-
richtungen zu gelangen, aus perfönlichen und dunastischen Bedenken zu verkümmern; daran,
daß es dem Erbprinzen gelingen würde, sich mit Seiner Majestät dem Kaiser über die
Annahme der spanischen Wahl in befriedigendes Einvernehmen zu setzen, hätten Euere
Majestät bei den langjährigen guten Beziehungen der Mitglieder des Fürstlich Hohen-
sollernschen Hauses zum Kaiser niemals Zweifel gehegt, dies aber nicht als eine deutsche oder
preußische, sondern als eine spanische Angelegenbeit angesehen.
Durch Erkundigungen in der Stadt und insbesondere durch Rekognoszierungen der
Offiziere vom Generalstabe war inzwischen, etwa zwischen 9 und 10 Uhr, festgestellt worden,
daß das Schloß Belleoue bei Fresnois zur Aufnahme des Kaisers geeignet und auch noch
nicht mit Verwundeten belegt sei. Ich meldete dies Seiner Majestät in der Form, dahß ich
Sresnois als den Ort bezeichnete, den ich Suerer Mojestät zur Susammenkunft in Vor-
schlag bringen würde, und deshalb dem Kaiser anheimstelle, ob Seine Mojestät sich gleich
dahin begeben wolle, da der Aufenthalt innerhalb des kleinen Arbeiterhaufes unbequem sei
und der Kaiser vielleicht einiger Ruhe bedürfen würde. Soine Maojestät ging bierauf bereit-
willig ein, und geleitete ich den Kaiser, dem eine Shren-Eskorte von Euerer Majestät Leib-
Kürassier-Regiment voranritt, nach dem Schlosse Bellevue, wo inzwischen das weitere
Gefolge und die Cquipagen des Kaisers, deren Ankunft aus der Stadt bis dahin für unsicher
gehalten zu werden schien, von Sedan eingetroffen waren. Ebenso der General Wimpffen,
mit welchem in Erwartung der Rückkehr des Generals von Moltke die Besprechung der
gestern abgebrochenen Kapitulations-Berhandlungen durch den General von Podbielski
im Beisein des Oberstleutnant von Verdy und des Stabschefs des Generals von Wimpffen,
welche beiden Offiziere das Protokoll führten, wieder aufgenommen wurde. Ich babe nur an
der Einleitung derselben durch die Darlegung der politischen und rechtlichen Situation nach
Maßgabe der mir vom Kaiser selbst gewordenen Aufschlüsse teilgenommen, indem ich un-
mittelbar darauf durch den Aittmeister Grofen von Vostitz im Auftrage des Generals von
Moltke die Meldung erbielt, daß Cuere Aajestät den Kaiser erst nach Abschluß der Kapi-
tulation der Armee sehen wollten — eine Meldung, nach welcher gegnerischerseits die Hoff-
nung, andere Bedingungen als die abgeschlossenen zu erholten, aufgegeben wurde. Ich ritt dorauf
in der Absicht, Cuerer Majestät die Lage der Dinge zu melden, Allerhöchstdenenfelben nach
Cbebery entgegen, traf unterwegs den General von Moltke mit dem von Euerer Majestät
genehmigten Texte der Kapitulation, welcher, nachdem wir mit ihm in Gresnois eingetroffen,
nunmehr ohne Widerspruch angenommen und unterzeichnet wurden. Dos Verbalten des
Generals von Wimpffen war, ebenso wie das der übrigen franzölischen Generäle in der
Nacht vorher, ein sehr würdiges, und konnte dieser tapfere Offizier sich nicht enthalten, mir
gegenüber seinem tiefen Schmer; darüber Ausdruck zu geben, daß gerade er berufen sein
müsle, 48 Stunden nach seiner Ankunft aus Afrika und einen halben Tag nach seiner Über-
nahme des Kommandos seinen Namen unter eine für die französischen Waffen so verhängnis-
1 Siebe den Text der Kapitulation in: Das Staatsarchiv. XIX., 196 f.