Full text : Archiv für öffentliches Recht. Band 27 (27)

Viertes  Capitel.

Italienische  und  spanische  Wirren.

Trotz  des  Glanzes  der  Pariser  Weltausstellung  und  der
Erneuerung  des  deutschen  Zollvereins  lag  über  Mitteleuropa
ein  allgemeines  Gefühl  der  Unsicherheit,  unter  welchem  zunächst
der  materielle  Wohlstand  aller  Länder  schweren  Schaden  litt.
Niemand  traute  dem  Frieden;  die  Geschäfte  stockten,  die
Industrie  lag  danieder,  der  Börsenverkehr  notirte  tiefe  Unlust.
Es  war  kein  Wunder.  In  Deutschland  und  in  Italien  drängte
die  Unfertigkeit  der  neuen  Zustände  zur  Vollendung  der
nationalen  Einheit:  beiden  aber  stellte  sich  die  Eifersucht  des
französischen  Volkes  hemmend  und  drohend  in  den  Weg,  und
so  wenig  Bismarck  der  treibenden  Ungeduld  der  nationalen
Wünsche  genug  that,  so  sehr  Napoleon  die  Erhaltung  des
Friedens  wünschte:  unberechenbar  blieben  auf  beiden  Seiten
die  Zuckungen  der  populären  Leidenschaften,  und  mit  tiefem
Mißtrauen  beobachtete  jede  Partei  alle  Schritte  der  andern.

Daß  Napoleon  den  Frieden  wünschte,  daran  kann  kein
Zweifel  bestehn.  Die  beiden  mächtigen  Völker  dicht  vor  dem
großen  Ziele  auf  die  Dauer  festzuhalten,  hielt  er  für  unmöglich;
in  Lavalette's  Rundschreiben  hatte  er  selbst  die  Berechtigung