Contents : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

Anhang.  463

Vereinigten  Staaten,  Frankreichs,  Rußlands,  Oesterreich-Ungarns,  Englands,
  Japans  und  Italiens  eingerückt  waren,  verfügten  die  Gesandten,
ohne  Hinzurechnung  der  in  Peking  ansässigen  waffenfähigen  Enropäer,  über
eine  Schutzwache  von  etwa  450  Mann,  die  sie  als  für  alle  Eventnalitäten
ausreichend  angesehen  und  bezeichnet  hatten.  Es  darf  hierbei  hervorgehoben
  werden,  daß,  als  im  Jahre  1898  bei  den  damaligen  Ausschreitungen
gegen  die  Europäer  ein  deutsches  Detachement  von  30  Seesoldaten  und  einem
Offizier  nach  Peking  gelegt  worden  war,  dieses  in  Verbindung  mit  den
übrigen,  etwa  gleich  stark  bemessenen  fremden  Kontingenten  dem  gestellten
Zweck  vollkommen  genügt  hatte.  Da  die  Gesandten  angesichts  des  unterbrochnen
  Eisenbahnverkehrs  nach  Peking  und  der  Zerstörung  einer  der
beiden  Telegraphenlinien,  die  die  Hauptstadt  mit  der  See  und  dem  Ausland
  verbanden,  die  Befürchtung  hegten,  der  Aufstand  könne  gefährlichere
Dimensionen  annehmen,  so  wurde  auf  ihren  Antrag  von  den  Mächten
den  Geschwaderchefs  die  Weisung  erteilt,  mit  den  Gesandten  geeignete
Maßregeln  zur  Sicherung  der  Verbindung  mit  Peking  zu  vereinbaren.

Wenige  Tage  nach  dem  Eintreffen  der  Schutzdetachements  in  Peking
schien  sich  die  dortige  Regierung  daranf  besinnen  zu  wollen,  daß  sie  endlich
  Schritte  zur  Unterdrückung  des  Anfstandes  tun  müsse.  Die  chinesischen
Minister  erklärten,  die  Kaiserin-Witwe  und  der  Kaiser  seien  sich  ihrer  Verantwortung
  bewußt  und  entschlossen,  mit  Waffengewalt  einzuschreiten.
Die  von  den  fremden  Instrukteuren  ausgebildeten  Truppen  erhielten  Befehl,
  in  die  Hauptstadt  einzurücken.  Sie  wurden  jedoch  nach  kurzer  Zeit
wieder  in  ihre  Lager  außerhalb  der  Stadt  zurückgeschickt,  weil  sic  zu
scharf  gegen  die  Boxer  vorgegangen  seien.  Diese  Maßnahme  und  verschiedene
  andre  Vorgänge  zeigten,  daß  im  Rat  der  Kaiserin-Witwe  die
fremdenfeindliche  Partei  mehr  und  mehr  die  Oberhand  gewonnen  hatte.
Immerhin  scheint  Freiherr  von  Ketteler  in  offenbarer  Uebereinstimmung  mit
seinen  Kollegen  noch  am  10.  Juni  Grund  gehabt  zu  haben,  die  perfönliche
  Sicherheit  des  Gesandtschaftspersonals  durch  die  schon  getroffnen
Vorkehrungen  für  hinreichend  gewährleistet  zu  halten.  An  diesem  Tage
telegraphierte  der  Gesandte  hierher,  er  habe  die  weiteren  350  Mann,  die
der  Chef  des  deutschen  Geschwaders  nach  Tientsin  gesandt  und  ihm  für
Peking  zur  Verfügung  gestellt  hatte,  angewiesen,  in  Tientsin  zu  bleiben,
da  das  Pekinger  Detachement  keiner  Verstärkung  bedürfe.

Die  letzte  Nachricht,  die  von  unserm  Gesandten  hier  eintraf,  ist  vom
12.  Inni  datiert  und  besagt,  daß  der  fremdenfeindliche  Prinz  Tuan,  der
Vater  des  im  Wege  der  Adoption  zum  Thronfolger  erhobnen  Prinzen
Pu-chün,  zum  Mitglied  des  Tsungli-Yamens  ernannt  worden,  und  daß