Volltext : Das Unterrichtswesen im Deutschen Reich. IV. Band 3. Teil. (6)

299  Mittleres  und  niederes  gewerbliches  und  kaufmännisches  Unterrichtswesen.

teilung,  von  denen  die  erstere  einen  3jährigen,  die  beiden  letzteren
je  einen  2jährigen  Kursus  besitzen.  Der  aufzunehmende  Schüler  soll
der  Regel  nach  das  15.  I.ebensjahr  vollendet  haben;  er  durchläuft  zunächst
  die  erste  Abteilung  und  tritt  alsdann  je  nach  Wahl  in  eine  der
andern  Abteilungen  über,  Im  Jahre  1903  wirkten  an  der  Anstalt
7  Lehrer.  An  Schulgeld  sind  jährlich  28  M.  zu  entrichten.  Die  jährlichen
  Kosten  belaufen  sich  auf  rund  8500  M.,  zu  denen  die  dortige
Handelskammer  800  M.  beiträgt.  Schulräume,  Heizung  und  Beleuchtung
  stellt  die  Stadt  unentgeltlich.

Die  städtische  kaufmännische  Fortbildungsschule  zu  Straßburg
  besitzt  2  aufeinanderfolgende  Jahreskurse  und  wurde  im  Schuljahr
  1903  von  242  Schülern  besucht.  An  der  Anstalt  wirken  mit  dem
Leiter  9  Lehrer.  Das  Schulgeld  beträgt  20  M.  jährlich.  Der  Etat
schließt  in  Einnahme  und  Ausgabe  mit  11500  M.  ab.  Zu  den  Kosten
zahlt  das  Land  und  die  Handelskammer  je  2000  M.,  die  Stadt  3000  M.,
letztere  stellt  auch  das  Gebäude  ohne  Entgelt.

Die  kaufmännische  Abteilung  der  städtischen  Fortbildungsschule
  zu  Colmar  zählt  in  6  Klassen  etwas  über
100  Schüler.  An  Schulgeld  ging  1903  die  Summe  von  rund  500  M.
cin.  Der  städtische  Zuschuß  zu  den  Kosten  betrug,  abgesehen  von
Heizung  und  Beleuchtung,  800  M.

Die  Frauen-Industrie-  und  Fortbildungsschulen

bezwecken,  junge  Mädchen  durch  theoretischen  und  praktischen  Unterricht
  zur  Selbständigkeit  in  allen  den  Fertigkeiten,  Kenntnissen  und  Geschicklichkeiten
  zu  führen,  welche  das  tägliche  Leben  von  den  Frauen
fordert.  Die  Schulen  gehen  hierbei  von  dem  Bedürfnis  eines  wohlgeordneten
  Hauses  im  Nähen,  Stopfen,  Flicken,  Weißzeuganfertigen,
Kleider-  und  Putzmachen  aus.

Die  Frauen-Industrie-  und  Fortbildungsschule  des  Vaterländischen
  Fraucn-Vereins  zu  Straßburg  nimmt  der  Schule  entwachsene
  junge  Mädchen  jeden  Alters  auf  und  unterweist  sie  je  nach
den  Fähigkeiten  und  Vorkenntnissen  in  einer  Zeitdauer  von  3  Monaten
  bis  zu  2  Jahren.  Weahlfreie  Unterrichtsfächer  sind:

a)  Einfache  Handarbeiten:  Handnähen,  Flicken,  Stopfen,  Kunststopfen
  (Ausbessern  schadhafter  Gegenstände),

b)  Kunst-Arbeiten:  Ancignung  der  für  kunstgewerbliche  Handarbeiten
  erforderlichen  technischen  Fertigkeiten.