Session 1874/75. 103
liegen zu lassen, dagegen den Einzelstaaten ohne Not die Last der
Matrikularbeiträge so beträchtlich zu erhöhen.
Thatsächlich hat denn auch die Budgetkommission und demnächst
das Plenum sich diese Gedanken zu eigen gemacht. Die
Matrikularbeiträge haben für 1875 gegen das Vorjahr keine Erhöhung
erfahren und derjenige Betrag, welcher nicht im Verlauf der
Etatsberatungen schon ausgeglichen werden konnte, ist aus den
Überschüssen von 1874 gedeckt worden. Damit war jene Finanz-=politik
sparsamer Etatisierungen eingeleitet, der es zu verdanken
ist, daß für eine Reihe von Jahren weder eine Steuererhöhung
im Reich, noch irgend eine erhebliche Erhöhung der
Matrikularbeiträge erforderlich wurde. Erst mit den Neuwahlen
von 1878 fand sich eine Mehrheit, welche von 1879 ab unter umfassender
Bewilligung neuer Steuern und Zölle jene Finanzpolitik,
an deren Einführung und Durchführung ich wesentlich beteiligt
gewesen war, in ihr Gegenteil verkehrte.
Zum ersten Mal im deutschen Reiche hatte in dieser Session
infolge Aufhörens der Pauschquantumswirtschaft der Reichstag den
Spezialetat der Militärverwaltung festzustellen, freilich auf der
Grundlage einer durch das Septennat festgenagelten Friedenspräsenzstärke
von 401 659 Mann. Wir überzeugten uns sehr bald,
wie recht Abg. Lasker gehabt hatte, als er bei der ersten Beratung
des Militärgesetzes hervorhob, daß nach Festlegung der
Friedenspräsenzstärke die Bemessung der einzelnen Titel des Militäretats
im Ordinarium wesentlich nur eine kalkulatorische und
rechnerische Bedeutung habe.
Immerhin versuchte ich auf dem schmalen Streifen, der noch
zur selbständigen materiellen Beschlußfassung übrig geblieben war,
auf die Einziehung überflüssiger Stellen hin zuwirken, beispielsweise
bei den Gouverneuren und Kommandanten in offenen Orten, bei
der Adjutantur der Fürsten und bei den Offizieren in besonderen
Stellungen. Ich hatte aber damit wenig Erfolg. Die Nationalliberalen
hielten ihre schützende Hand auch über jeden Spezialtitel
und es kam bei meinen zahlreichen Anträgen kaum irgendwo hinaus
über Resolutionen, welche der Regierung Ersparungen dieser oder
jener Art für die Zukunft „zur Erwägung“" gaben. Im Plenum
kam es am 11. Dezember über meine Thätigkeit in der Kommission
bei Prüfung des Militäretats zu einer Auseinandersetzung zwischen
mir und den Nationalliberalen. Frhr. v. Hoverbeck trat dabei
für meine Thätigkeit in der Budgetkommission ein, die er wie folgt
schilderte: