fullscreen: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

106 „Zweites Buch. II: Heinrich und König Konrad. 
seligkeiten zog er den meisten Gewimn. Denn sowie sie ihn irgendwie beleidigt 
hatten, führte er ein Heer gegen sie heran, worauf sie ihm stets ohne Zögern 
jede Entschädigung erstatteten, die er verlangte. Überhaupt gehorchten sie 
ihm schon jetzt wie ihrem Oberherrn"). — Noch mehr stärkte Heinrich seine 
Macht durch seine Vermählung mit Klementias?), der Tochter des Herzogs 
Konrad von Zähringen, des Regenten Burgunds“"). Auf dem gemeinschaft- 
lichen Slawenzuge im vorhergehenden Jahre mochte die Hochzeit abgeredet 
sein, der freilich nach der rigorosen Auffassung der katholischen Kirche eigent- 
lich zu nahe Verwandtschaft entgegen standf). Man kann es nur begreiflich 
finden, daß der neunzehnjährige Heinrich nach einem Herzen voll wahrer 
Liebe verlangte, da er schon seit fünf Jahren niemanden besaß, der ein war- 
mes Interesse für ihn hegte, dem er seine Gedanken und Gefühle mitteilen 
und mit dem er die müßigen Stunden verbringen konnte. Nur Fremde, nur 
Diener und Untergebene sah er um sich. Aber auch materiell war die Hochzeit 
einträglich. Nicht allein verschwägerte sie den jungen, aufstrebenden Herzog 
mit einer mächtigen Familie, Klementia brachte ihm auch das Schloß Baden- 
weiler, 100 Ministerialen und 500 Hufen Landes als Mitgift zuft). 
Wie wenig Heinrich der Löwe gesonnen sei, eine Schmälerung seiner Macht 
von irgendeiner Seite her zu dulden, hatte er bald Gelegenheit zu zeigen. 
August Nach dem Tode des Erzbischofs Adalbero von Bremenss#h) hatten sich die 
Blicke der Domherren zuerst auf den klugen und bei dem Könige sowie dessen 
Sohne hoch angesehenen Abt Wibald von Corvey gerichtet s); dennoch wurde, 
den Abmachungen mit dem verstorbenen Adalbero entsprechend, die Wahl des 
edelgeborenen, hochbegabten und geistig hervorragenden, aber herrschsüch- 
tigen und hartnäckigen Propstes Hartwich von Stade durchgesetzt. Sofort 
begann dieser, die Superiorität, die ehemals die Hamburger Erzbischöse über 
den gesamten Norden geübt hatten, wieder anzustreben. Um den aus diesen 
Bemühungen erwachsenden, lange dauernden Streit zu verstehen, ist es nötig, 
  
*) Helm. I. 68. 
*%) Helm. lc. — Sächs. Weltchron., S. 218. — Ann. Marbacenses (Schulausg.), S. 48. 
schl Die Zähringer besaßen damals — außer der Regentschaft Burgunds — die Herr- 
schaft Über die Gaue des jetzigen badischen Oberrheinkreises und des badischen süd- 
lichen Seekreises, sowie der jetzt schweizerischen Gegenden um Rheinfelden, Schaff- 
hausen, Bern, Solothurn und Freiburg. Bader, Badische Landesgeschichte, 
Abt. 2 und Abt. 3, 1. Kap., passim. 
f) Möge folgendes zur Erläuterung des Verwandtschaftsverhältnisses dienen: 
Bähriger Belfen Kaiser bther 
Konrad Berthold — Sophia Heinrich d. Stolze — Gertrud 
Klementia Heinrich d. Löwe. 
tt) Krit. Erört. II v. 
hKrit. Erört. II p. 
5) In der 163. Epist., S. 270 schreibt Abt Wibald an den neuen Erzbischof Hartwich: 
Sed indignamini nobis ..duod cum de electione Bremensis archiepiscopi, vacante 
tuno sede, ageretur, in nostram personam omnia fere se vota inclinarent.