Volltext : Sonderabdruck Vorträge aus dem 2. Lehrgang des stellvertretenden Generalkommandos XI. AK

4

Flugzeug-  und  Motorenbau  mit  allen  für  den  Flieger  dazu  gehörigen  Ausrüstungen,
  dem  Stollen=  und  Gaskampf,  den  verschiedensten  Wurfgeschossen
und  Schutzeinrichtungen  für  die  Kämpfer).

Im  Gefolge  der  Dauer  des  Krieges  entstand  eine  ungeheuere  Verschiebung
  der  Bevölkerung  nach  außen,  d.  h.  nach  den  Fronten  zu  und
im  Innern.  Die  bislang  übliche  Arbeitsverteilung  wurde  aufgehoben;  denn
dem  neuen  Bedarf  mußte  mit  einer  neuen  Ordnung  der  Arbeitskräfte
begegnet  werden.  Damit  verschob  sich  auch  die  Arbeitsverteilung  unter  den
Geschlechtern,  ohne  Rücksicht  auf  selbst  sehr  begründete  gesundheitliche  Bedenken;
  denn  alles  mußte  und  durfte  nur  unter  den  einen  Gesichtspunkt
gestellt  werden:  Zusammenschluß  des  gesamten  Volkes  zu  gemeinsamer  Abwehr,
  Erhaltung  der  Nation,  Erhaltung  des  Staates,  Schutz  des  Uberpersönlichen
  unter  Zurückstellung  aller  persönlichen  Wünsche  und  Sicherheiten.


In  den  ersten  Wochen  des  Krieges  machte  sich  die  als  fortdauernd  angenommene
  Verwirrung  auf  dem  Arbeitsmarkt  als  große  Arbeitslosigkeit
bemerkbar,  bis  der  kriegsmäßige  Massenbedarf  einsetzte  und  die  arbeitslosen
Personen  aufsog,  bis  schließlich  darüber  hinausgehend  unendlich  viel  Personen,
  die  bislang  überhaupt  in  keinem  Arbeitsverhältnis  gestanden  hatten,
in  die  Arbeit  mit  hineingezogen  wurden.  Die  immer  weitere  Einberufung
der  Männer  an  die  Fronten  machte  in  beschleunigtem  Umfange  die  Uberführung
  von  Frauen  in  Männerarbeit  notwendig,  sie  erfolgte  aber  ohne
Plan  und  dadurch  mit  großen  Zeit=  und  Kraftverlusten.  Diese  Planlosigkeit
bei  der  Einbeziehung  der  Frauen  in  die  männlichen  Arbeitsgebiete  hat  ihre
Gründe  einmal  in  dem  anfangs  sehr  großen  Angebot  zur  Verfügung  stehender
weiblicher  Kräfte  überhaupt,  dann  in  der  mangelhaften  Ausgestaltung  des
Arbeitsnachweises  im  allgemeinen,  des  Arbeitsnachweises  für  Frauen  im
besonderen  und  schließlich  in  dem  sehr  großen  Irrtum  der  Unterschätzung  der
Kriegsdauer.

Da  sich  nach  und  nach  für  die  Aufrechterhaltung  der  kriegswirtschaftlichen
  Materialherstellung  ein  Mangel  an  Arbeitskräften  bemerkbar  machte,
wurde  die  planmäßige  Anwerbung,  Verteilung  und  Anlernung  von  Frauen
immer  notwendiger.  Daß  es  überhaupt  gelang,  ohne  diese  Planmäßigkeit  eine
Zeitlang  genügend  auch  brauchbare  Arbeitskräfte  zu  haben,  hat  zum  Teil
seinen  Grund  darin,  daß  schon  vor  dem  Kriege  eine  ganz  bedeutende  Anzahl
von  Frauen  in  außerhäuslicher  Arbeit  stand  und  dadurch  bei  eintretender
Arbeitslosiakeit  auf  ihrem  ursprünglichen  Arbeitsgebiet  doch  leichter  in  der  Lage
war,  sich  auch  in  neuartige  Berufsverhältnisse  hineinzufinden.

Ganz  besonders  machte  sich  diese  Tatsache  in  der  Landwirtschaft
geltend.  Schon  1907  stellten  die  Frauen  mit  4  1½/  Millionen  Personen  ungefähr
  die  Hälfte  aller  in  der  Landwirtschaft  Tätigen,  besonders  auf  dem
Gebiete  der  Kleinviehzucht,  des  Hackbaues,  der  Gartenwirtschaft  und  eines
großen  Teiles  der  Milchwirtschaft.  Diese  Tatsache  wurde  von  ganz  besonderer