Metadata : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1904. (70)

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„Standesordnung“  und  „Ehrengerichtsordnung  für  die  ärztlichen  Bezirksvereine“,
ingleichen  die  Verordnung,  die  Abänderung  der  Standesordnung  und  der  Ehrengerichtsordnung
  für  die  ärztlichen  Bezirksvereine  betreffend,  vom  5.  Juni  1902  (G.=  u.  V.-Bl.
S.  150)  werden  mit  dem  Inkrafttreten  der  Arzteordnung  aufgehoben.

Dresden,  den  15.  August  1904.

Ministerium  des  Innern.

v.  Metzsch.  arch
reher.

Arztliche  Standesordnung.

&  1.  Jeder  Arzt  ist  verpflichtet,  seinen  Beruf  gewissenhaft  auszuüben  und  durch
sein  Verhalten  in  der  Berufstätigkeit  wie  außerhalb  derselben  die  Ehre  und  das  Ansehen
seines  Standes  zu  wahren.

#2.  Insbesondere  hat  jeder  Arzt  seine  Pflichten  gegenüber  seinen  Patienten  sorgfältig
  zu  erfüllen,  sowie  auf  gutes  Einvernehmen  mit  seinen  Standesgenossen  bedacht
zu  sein.

&  3.  Jede  öffentliche  Anpreisung  (Reklame)  in  irgend  welcher  Form  ist  dem  Arzte,
als  der  Standeswürde  nicht  entsprechend,  untersagt.

Unter  öffentlicher  Anpreisung  ist  namentlich  zu  verstehen:

das  dauernde  Anbieten  ärztlicher  Hilfe  in  öffentlichen  Blättern  und  durch  Plakate,

das  auf  Erlangung  von  Praxis  oder  sonstiger  Vorteile  abzielende  Anbieten
unentgeltlicher  ärztlicher  Hilfe  in  öffentlichen  Blättern,

das  Anzeigen  privater  Polikliniken,  sowie  unentgeltlicher  Sprechstunden  in  öffentlichen
  Blättern  und  durch  Straßenanschlag,  mit  Ausnahme  solcher  Privatpolikliniken,
  welche  lediglich  Unterrichtszwecken  für  Studierende  der  Medizin,
Arzte,  oder  der  Krankenpflege  sich  widmende  Schwestern  dienen,

die  Empfehlung  besonderer  eigener  Heilmethoden  in  öffentlichen  Blättern  oder
durch  öffentliche  Vorträge,  durch  Flugschriften  und  dergleichen,

das  Berichten  über  Krankengeschichten  und  Operationen  in  anderen  als  fachwissenschaftlichen
  Zeitschriften,

1904.  56