Die Seffion 1880. 155
der Tabakindustrie stellen und dieser Beunruhigung selbst ein Ende
machen, sodann auch jene Auslegungen von vornherein ausschließen,
als ob aus der Ablehnung der Brausteuer und sonstiger Steuern
eine Neigung zur Einführung des Tabakmonopols gefolgert werden
dürfe. Der offiziösen Agitation gegenüber sollte rechtzeitig die
Wachsamkeit des Volkes aufgerufen werden.
Unser Antrag kam allen Leisetretern und Diplomaten in der
nationalliberalen Partei und in der Centrumspartei sehr ungelegen.
Dieselben wollten mit dem Reichskanzler wegen der Monopolfrage
zur Zeit nicht anbinden. Wir ließen uns aber nicht irre machen.
Die Wähler der Centrumspartei und der Nationalliberalen begannen
denn auch, einen täglich fühlbarer werdenden Druck auf die
Taktiker in ihren Fraktionen auszuüben: sie verlangten ein Votum
in der Sache selbst. Die Nationalliberalen hatten soeben in der
Militärfrage sich derart unbedingt regierungsfreundlich erwiesen,
daß sie ein gewisses Bedürfnis empfinden mußten, sich wieder einmal
etwas auf die andere Seite zu legen. Ein bei dieser Gelegenheit
wiederholter Angriff der Fortschrittspartei hätte die Nationalliberalen
in ihren Wahlkreisen arg ins Gedränge gebracht.
Auf dieses Stadium in der Pendelschwingung der nationalliberalen
Partei hatte ich aber bei Einbringung des Antrages gerade gerechnet.
Ebenso befand sich die Centrumspartei gerade einmal wieder
in einem vom Friedensschluß mit dem Reichskanzler ziemlich entfernten
Stadium. Das Gros der Partei suchte bald sich uns zu
nähern. Der Abg. Lasker war der vom Centrum aufgesuchte
Mittelsmann, welcher auf der Grundlage einer Delbrückschen Formulierung
einen Antrag zwischen Nationalliberalen und Centrum
vereinbarte. Auf unser Ansuchen wurde dieser Antrag noch erheblich
verschärft. Wir behielten uns aber unsere zustimmende Erklärung
bis zum Schluß der Diskussion vor, um noch einen Druck
auf die Begründung des Antrages auszuüben. Erst als der Eindruck
der Verhandlungen dem Antrag eine, wie gerade die konservativen
Gegner hervorhoben, annähernde Bedeutung mit dem
Antrag der Fortschrittspartei beigelegt hatte, erklärten auch wir
uns für den Antrag, und es wurde nunmehr mit 181 gegen
69 Stimmen die Erklärung angenommen, daß erwartet werden
muß, daß das durch Verkündigung des Tabaksteuergesetzes vom
16. Juli 1879 erst neuerdings beurkundete Einverständnis
zwischen den Regierungen und dem Reichstag über die künftige
Besteuerung des Tabaks nicht wieder durch einen Antrag auf
Einführung des Tabakmonopols in Frage gestellt werde.