Volltext: Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

452 Sechstes Buch. Erniedrigung und Wiedergeburt. 
Neuschlesien an der Netze, das zu Tilsit ausdrücklich Preußen 
belassen war, und für Danzig statt eines Gebietes von zwei Lieues 
im Umkreis von der Enceinte ein solches von zwei deutschen 
Meilen von dem am meisten vorgeschobenen Werk an. Die 
Sachsen einzuräumende Straße nach Polen (S. 423) sollte 
auch den Truppen seiner Verbündeten offen stehen und der 
Verkehr darauf zollfrei sein. Knobelsdorff richtete nichts aus. 
Die Kontribution, hieß es, gehöre der Armee, selbst der Kaiser 
könne davon nichts nachlassen. Der König erbat die Inter- 
vention des Zaren. Der aber riet, sich zu fügen und schnell 
abzuschließen. So gab Friedrich Wilhelm zunächst Neuschlesien 
daran samt dem Kreise Michelau, im ganzen 60 Quadratmeilen. 
Gebessert aber wurde dadurch nichts. Vielmehr drohte 
Daru, wenn nicht die ganze Kontributionsangelegenheit bis 
dahin geordnet sei, am 1. Oktober die Staatseinkünfte zu be- 
schlagnahmen. Das abzuwenden, erkannte die Friedenskommis- 
sion die Forderung von 154 Millionen vorläufig an, reduzierte 
sie aber durch Abzug der seit dem Frieden erhobenen außer- 
ordentlichen Zahlungen und Lieferungen auf 124 Millionen. 
Doch auch diese konnte Preußen nicht aufbringen. Als das 
Aeußerste, was es leisten könne, bot der König im Einver- 
ständnis mit Stein (6. Oktober) 100 Millionen. Indem er nun 
die Schuld auf 112 berechnete, gab Daru zu, seit dem Frieden 
nicht weniger als 42 Millionen erhoben zu haben. Es sollten 
12 in bar und 50 unter Verpfändung der Festungen Stettin, 
Küstrin und Glogau in Wechseln und Pfandbriefen bezahlt, 
für die anderen 50 aber Domänen überlassen werden. Wurden 
diese teils zur Ausstattung von Generalen verwendet, teils 
an französische Spekulanten verkauft, so hatte man den Feind 
dauernd im Lande. Daß Daru vor allem die Westfalen be- 
nachbarten Domänen verlangte, erweckte den übelsten Verdacht. 
„Gott, wo sind wir?“ schrieb die Königin verzweifelnd an 
Stein, „wohin ist es gekommen? Unser Todesurteil ist ge- 
sprochen.“ Stein riet, die Summe, vorbehaltlich genauer Ab- 
rechnung, gelten zu lassen. Aber die Zahlung mit Domänen 
lehnte er ab. Die 50 Millionen wollte er als Hypothek auf 
die Gesamtheit der Domänen zwischen Elbe und Oder eintragen