Full text : Der Weltkrieg. II. Band. (2)

Kriegsdauer

 

ausgesprochen,  ein  sich  hinschleppender  Krieg  sei  ‚zu
einer  Zeit  unmöglich,  wo  die  Existenz  der  Nation  auf  einem
ununterbrochenen  Fortgang  des  Handels  und  der  Industrie
begründet  ist  und  durch  eine  rasche  Entscheidung  das
zum  Stillstand  gebrachte  Räderwerk  wieder  in  Lauf  gebracht
  werden  muß.  Eine  Ermattungsstrategie  läßt  sich
nicht  treiben,  wenn  der  Unterhalt  von  Millionen  den  Aufwand
  von  Milliarden  erfordert.“  Schon  die  ersten  Monate
des  Weltkriegs  haben  diese  Theorie  widerlegt.  Als  nach
dem  ersten  gewaltigen  Zusammenprall  der  Armeen  in  West
und  Ost  die  erwartete  Entscheidung  ausblieb,  da  brachen
die  Wirtschaft  und  die  Finanzen  der  kriegführenden  Länder
unter  der  Wucht  des  Krieges  nicht  zusammen,  sondern
stellten  sich  mit  erstaunlicher  Anpassungsfähigkeit  auf
die  außerordentlichen  Verhältnisse  des  Krieges  ein.  Sowenig
  wie  die  moderne  Waffentechnik  eine  rasche  Entscheidung
  herbeizuführen  vermochte,  ebensowenig  war
für  uns  oder  unsere  Gegner  eine  wirtschaftliche  oder  finanzielle
  Zwangslage  entstanden,  die  stark  genug  gewesen
wäre,  um  dem  Krieg  ein  rasches  Ende  zu  diktieren.  Ermattungsstrategie
  und  Erschöpfungskrieg  waren  greifbare
Möglichkeiten  geworden,  die  alle  kriegführenden  Staaten
in  ihre  Rechnung  einzustellen  hatten.

Nur  widerstrebend  und  langsam  gewöhnte  man  sich  bei
uns  an  diesen  Gedanken.  Als  aber  auch  die  großen  militärischen
  Aktionen  des  Frühlings  1915  keine  Entscheidung
brachten,  als  mit  Italien  eine  neue  Großmacht  gegen  die

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