Metadata : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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Wenn  einem  Arbeiter,  dem  seine  unversicherte  Habe  verbrannt
ist,  oder  einem  kleinen  Besitzer,  der  durch  die  Schuld  von  Wucherern
arm  und  elend  wird,  von  mildtätigen  Menschen  geholfen  wird,

daß  er  sich  mit  feiner  Familie  über  Wasser  halten  kann,  so  ist
das  eine  Wohltätigkeitsveranstaltung.  Wenn  aber  aus  der  Gemeinschaft
  heraus  Versicherungskassen  gegründet  werden,  die  es
auch  dem  Kleinsten  ermöglichen,  sich  gegen  Verarmung  durch
Feuersgesahr  oder  Viehverluste  oder  Hagelschlag  oder  vorzeitige
Sterbefälle  zu  bewahren;  oder  wenn  i  in  einem  Dorfe  ein  Raiffeisenverein
  gegründet  wird,  durch  den  es  sich  von  seinen  Blutjaugern
  befreien,  sich  zu  blühendem  Wohlstande  emporringen  kann,
so  sind  das  Wohlfahrtseinrichtungen.  Oder  auch:  wenn
man,  um  im  Dorse  die  gesellschaftliche  und  geistige  Oede  zu  bejeitigen,
  die  Laster  des  Müßiggangs  zu  verhüten,  Tellssöiblistheren.
gründet,.  Gemeindehäuser  und  Gemeindeabende  einrichtet,  R
für  Jugend-  und  Volksspiele  schafft,  so  ist  das  nicht  Behitärictel,
sondern  Wohlfahrtspflege.

Wir  finden  nun  im  Bereiche  der  ländlichen  Wohlfahrtspflege
manche  Einrichtungen,  die  bald  mehr,  bald  weniger  den  Charakter
von  Wohltätigkeitsveranstaltungen  tragen.  Sie  können,  am  rechten
Orte  und  in  rechter  Weise  angewandt,  in  hohem  Grade  segensreich
sein  und  müssen  bei  vielen  eigenartigen  Verhältnissen  auch  wohl
als  erstes  Aushilssmittel  in  Betracht  kommen.  Wir  schließen
also  solche  Veranstaltungen  aus  unserm  Pflegekreife  nicht  aus.
Das  aber  steht  für  uns  sest,  und  wir  glauben,  es  wird  uns  jeder
zugestehen,  der  sich  aus  diesem  Gebiete  umgesehen  hat  und  der  die
Weniherfeele  kennt:  Je  weniger  allen  den  auf  die
Förderung  der  unbemittelten  Klasfsen  abzielenden
  Einrichtungen  der  Almosencharakter  anhafstet,
  desto  bedeutungsvoller  und  erfolgreicher  werden  sie  für's
Leben  sein.  Die  Arbeiter  sollen  das,  was  auf  diesem  Gebiete  geschieht,
  empfinden  als  Wohlfahrt,  aber  nicht  eigentlich  als
Wohltätigkeit.

Ein  bedeutsames  Beispiel  in  diesem  Sinne  hat  das  Deutsche
Reich  gegeben  mit  dem  Reichsgesetz  über  Invaliditäts=  und  Altersversorgung.
  Das  ist  eine  Wohlfahrtseinrichtung  ersten  Ranges.

Erfreulicherweise  zeigt  sich  denn  auch,  daß  mit  der  zunehmenden
  Erfahrung  auf  diesem  Gebiete  die  Wohltätigkeit  durch  Weckung
und  Zusammenfassung  der  einzelnen  Kräste  immer  mehr  zu  einer
systematischen  Wohlsahrtspflege  sich  entwickelt:  Aus  den  Wohltätigkeitsveranstaltungen
  werden  Wohlsahrtseinrichtungen.

Beispiele  dafür  bieten  die  in  unserem  Buche  aufgeführten
Wohltätigkeits-  und  Wohlfahrtsvereine  genng.

Alles  in  allem  gilt  hier  das  Wort:

.Halb  nur  hilft  dem  Armen  die  tägliche  Gabe  des  Reichrn;
Hilf  ihm,  daß  er  sich  selbst  helfe,  so  hilfft  du  ihm  ganz.“