Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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gilt  ihm  als  eine  schwache  Stütze  für  die  Hoffnungen  des  Kaiserhauses.  Er  vergleicht
  Frankreichs  Politik  mit  Erscheinungen  der  alten  Geschichte,  mit  Rom,  dem
macedonischen  Philipp,  und  empfiehlt  den  Fürsten,  dagegen  auf  der  Hut  zu  sein.

Einen  fast  noch  idealistischeren  Charakter,  als  diese  Betrachtungen,  trägt
Friedrichs  Antimaechiavell,  eine  Polemik  gegen  des  berühmten  Florentiners
Buch  vom  Fürsten.  Friedrich  faßte  dies  wichtige  Buch  nicht  von  dem  Standpunkte
  im  Beginn  des  sechszehnten  Jahrhunderts,  sondern  fieht  darin  eine  allgemeine
  Vorschrift  für  Fürsten  aller  Zeiten,  und  ist  in  seiner  philosophischen  Auffassung
  empört  über  ein  Vorbild,  dem  einst  zu  gleichen  ein  Gedanke  ist,  welcher
sein  Innerstes  mit  Abscheu  erfüllt.  Wie  mußte  es  nicht  den  jugendlichen  Königssohn,
  von  dem  Voltaire  kurz  zuvor  so  schöne  Hoffnungen  ausgesprochen  hatte,
drängen,  seine  ganz  entgegengesetzte  Anschauung  von  dem  künftigen  Beruf  dem
geistreichen  Freunde  vor  Augen  zu  legen.  Sein  Antimacchiavell  ist  gleichsam
Friedrichs  Probestück  in  der  Behandlung  politischer  Gegenstände  in  Voltairischer
Manier,  auch  wurde  das  Buch  unter  des  großen  Meisters  Augen  1739  in  Holland
  gedruckt.  Der  Ton  der  berühmten  Abhandlung  läßt  sich  deutlich  aus  dem
Eingange  erkennen,  wo  es  heißt:  „Ich  wage  die  Vertheidigung  der  Menschlichkeit
  gegen  ein  Ungeheuer  zu  unternehmen,  welche  dasselbe  ausrotten  will;  ich
wage  es,  Vernunft  und  Gerechtigkeit  den  Sophismen  und  der  Bosheit  entgegenzustellen.
  Ich  habe  den  Fürsten  des  Macchiavell  immer  für  eines  der  gefährlichsten
  Bücher  angesehen,  die  der  Welt  bekannt  worden  find.  Es  ist  ein  Werk,
welches  natürlicher  Weise  in  die  Hände  der  Fürsten  und  Staatskundigen  fallen
muß,  und  nichts  ist  leichter,  als  daß  ein  ehrgeiziger  junger  Mann,  dessen  Herz
und  Urtheilskraft  noch  nicht  Festigkeit  und  Bildung  genug  haben,  um  das  Gute
vom  Bösen  richtig  zu  unterscheiden,  durch  Maximen  verderbt  wird,  die  seinen
Grundsätzen  und  Leidenschaften  schmeicheln.  —  Wenn  es  Unrecht  ist,  die  Unschuld
  einer  Privatperson  zu  Grunde  zu  richten,  die  nur  geringen  Einfluß  auf
das  Ganze  hat:  so  ist  es  um  so  schändlicher,  Fürsten  zu  verderben,  welche  Völker
beherrschen,  Recht  und  Gerechtigkeit  handhaben,  Beispiele  davon  ihren  Unterthanen
aufstellen,  und  durch  ihre  Güte,  Seelengröße  und  Mildthätigkeit  sichtbare  Ebenbilder
  der  Gottheit  sein  sollen.“  Es  folge  hier  noch  aus  dem  Anfange  der  Abhandlung
  die  bekannte  wichtige  Stelle  über  den  Ursprung  der  Fürstengewalt:
„Die  Völker  haben  zu  ihrer  Ruhe  und  Sicherheit  nöthig  gefunden,  Richter  zu
haben,  die  ihre  Streitigkeiten  schlichteten,  Beschützer,  um  sie  im  Besitze  ihres
Eigenthums  gegen  ihre  Feinde  zu  vertheidigen;  Fürsten,  um  ihre  zerstreuten  Vortheile
  in  ein  gemeinschaftliches  Interesse  zu  verbinden.  Sie  wählten  Anfangs  diejenigen
  aus  dem  Volke,  welche  sie  für  die  Weisesten,  Billigsten,  Uneigennützigsten,
  Menschlichsten,  Tapfersten  hielten,  um  sie  zu  regieren.  Die  Gerechtigkeit  ist
also  das  Hauptstudium  eines  Fürsten;  das  Glück  der  Völker,  die  er  regiert,  ist
das,  was  er  jedem  andern  Vortheile  vorziehen  muß.  Wo  bleiben  nun  jene
Ideen  von  Interesse,  von  Größe,  von  Ehrgeiz,  von  Despotismus?  Es  ist  klar,
daß  der  Fürst,  weit  entfernt  der  uneingeschränkte  Herr  der  Völker  zu  sein,  die