19 Abhandlung — abhold.
Zufammenrückung der Präp. ab mit einem Dat. Plur.
von hand (f. d.), weg von, aus den Händen, nur in
der Verbindung a. kommen, allgemein weg kommen,
eine sache, geld, ein kind kam abhanden; selten sie läszt
mieb nicht abhanden Bürger; das Präpositionale von
ab wird nicht mehr gefühlt, daher von abhanden: von
abhanden bringen Schottel 617, etwa noch im Volks-
munde. — Abhandlung, f. von Schottel gebildetes
Kunftwort für lat. krackkus; a. über das traerspiel,
Über einen stoff aus der rechtslehre; ich sehe, mein
brief ist zu einer abbandlung geworden Leffing 3, 445.
Abhang, m. 1) das Abhängen, Neigen eines Berges,
Landes, und die abhängige Seite felbst; norddeutsches,
von Zesen (Überfetzung von Dögens Kriegsbaukunst
1648) gebildetes Wort für lat. decloftaz am abbang
einer bugelkette Geibel 1, 41. 2) wie abhöngigkeit:
der abhang von betehlen Wieland. — abhangen, ab-
wärts hangen: viellarbige schimmer durch abhangen-
des laub 8 Luise 1,614; sich abwärts neigen, ab-
hangende weinberge Haller; umsinnlich: in Abhängigkeit
sein: wie viel bängt vom körper ab! Goethe 16, 45;
von ihrem brotherrn abhangende arbeiter; ich hange
ganz von ihrem willen ab Goethe Großeophtha 1, 1.
In Mischung mit abhängen (vgl. bangen und hüngen):
das wird von mir abhüngen; am ende bängen wir doch
ab von ercaturen die wir machten Goethe Faust II. ab-
hüngen auch trans. (wofür nicht abhangen): den mantel
vom haken. — abhangig, abwärts hangend oder nei-
gend, schon 15. Ih. abbengig acelivus, dellols (voc. inc.
thent.); wo der weg weniger abhüngig war Goethe
Wanderj. 1,1; vom Körper: die natur macht den men-
schen abhängig zur erde ders.; unsinnlich: abhängig sein
vom willen cines andern; abhängige stellung; folgerung
von der voraussetzung ahhangig. — Abhängigkeit, t.
nach allen Bed. von abhängig.
Abhärmen, härmend entkräften, sich; auch dein
groszes lehen abbürmen Klinger Medea; ungewöhnlich
von Tieren: ein paar durre abgehärmte mähren Kleist
Kohlhaas. — abhärten, hart machen, das eisen; den
körper, sich, gegen etwas; der könig von Schweden,
- abgebürtet zum kriege Schiller 30j. Krieg; abge-
härteter bösewicht. — abhaspeln, von der Haspel ent-
sernen, garn; bildlich: unbedeutende tage abzubaspeln
Goethe Egmont: dasz sie noch länger meine redens-
arten abhaspeln Immermann Münchh. 1, 26.
Abhauen, hauend trennen, gras, holz, einem den
kopf, die hand; alt auch für abschneiden: jnen (den
Pferden) die schwäntz abhauwen Kirchhos Wendunm.
346°. — abhausen, haufend herunterbringen, entwerten:
eine abgebauste benedictinerabtei C# Me Nov. 1,
221.— ubhänten, Haut abziehen; bei Jägern den büren
abhöuten, auswirken; intrans. schlangen häuten ab.
Abheben, hebend entfernen, einen topf vom leuer,
deckel vom topfe; den rahm abbeben von der milch,
auch bildlich Jungfrauschaft nehmen (Simpl. 3, 21);
speisen abheben von der tafel, vgl. abhub; refl. ab-
stechend vortreten: die dunkeln berge heben sich vom
blauen bimmel ab. — abbelfen, helfend erlösen, alt
einem eines dinges, helft ihm der marter ab Luther,
dann mit von: ich gedacht, mir von dem ungeheuren
gerumpel (Kollern im Leibe) abzubellen Simpl. 1, 104;
jetzt helfend befeitigen, einer sache, einem ubel. — ab-
herzen, völlig, ungemein liebkosen, ein kind. — abhetzen,
hetzend ermatten, dos wild, den bund; sturmt auf ab-
gehetzten rossen Droste 16; bildlich: er hetzt sich den.
ganzen tag ab.
Abhilfe (hülfe), s. Handlung des Abbelfens und das
was abhilft: auf abhilfe dringen, abhilfe schatteu,
bringen. — abhobeln, hobelnd glättend, ein brett; bild-
lich in derber Rede: einen, ihn gesittet machen. — abhold,
adj. nicht hold, abgeneigt, einem abhold sein, werden;
gern mit beschränkender Verneinung: indem er noch
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schmackbafteren burgunder vorsetzte, dem wir uns nicht.
abhold bewiesen Gocthe Tagh. 1805; der aufklärung
nicht abhold Ranke Lebenserinn. — abholen, wegholen.
abrufen und begleiten: ein buch, paket; ich hole dich
ab. — abholzen, das Holz entfernen: einen wald; die
abgebolzten berge am Rhein Treitschke 1, 310. —
abhorchen, horchend erfahren wollen, einem seine ge-
heimnisse, kenuntnisse. — abhören, verhören, Aussage
thun lassen: zeugen, sachverstündige; hörend ersahren:
einem eine geschichte; früher rechnung abbören, ent-
9egen nehmen und prüfen: abbörung der rechnung
Zinkgref Apophth. 1, 335. — Abhub, m. was ab-
ehoben wird, Speisereste von der Tafel; bei den Berg-
euten Unreinigteiten bei der Erzwäsche. — abhülsen,
von Hülfen befreien, mandeln, erbsen.
Abirren, sich irrend entfernen, vom rechten wege. —
abjagen, jagend wegnehmen: ihnen den raub wieder
abzusagen Heyse Par. 1, 199; ein . dem tode abge-
jagtes menschenkind Keller Seldw. 2, 188; jagend er-
schöpfen, einen, sich; bei den Jägern, die Jagd beenden.
Abkanzeln, von der Kanzel aus verkünden oder
strafen; bildlich, ausschelten: wollen Sie mich wieder
abkanzeln? Benedix Lügen 1, 3. — abkappen, einem
Kappen geben, einen, in volksmäßiger oberd. und mitteld.
Rede: wie sauber sie ihn abkappte, wenn er ihr
seinen antrag machte Schiller Räub. 4, 3. Ein an-
deres abkappen, abhauen, niederd., im Seewesen, mast,
ankertaue. — übkargen, in Kargheit entziehen: was der
vorfahr abgekargt Grillparzer 1, 81. — ahbkarten,
mit der Karte einrichten: abgekartetes spiel; die sache
unter einander abkarlen. — abkanfen, kaufend lösen,
erwerben, einem ware; kausend abwenden: fromme
buszung kauft den zorn des bimmels ab Schiller Br.
v. Mess.; älter einen abkaufen mit gelt von rachsal
(Kirchhof Wendunm. 2957), von der Rache lösen; sich
mit einem abkauten (HSachs Fastn. Sp. 6, 35) ab-
den. — Abkehr, f. Abwendung, von der kalten wirk-
ichkeit Heyse 4, 242. — abkehren, abwenden, dev
kopf; kehrte sich ab und weinte dazu Uhland Ged.
238; älter auch einen sturm abkehren Hulfins Schiff.
9, 48; bildlich: wenn aber nun vom scheine das herz
sich abgekehrt Uhland Ged. 46; eines vom weltlärm
abgekehrten kunstlerlcbens Heyse Par. 3, 217; älter
intranf., noch jetzt im Bergwerk von einer grube abkeb-
ren, nicht mehr dort arbeiten wollen. Anderes abkehren,
fegend entfernen, reinigen, den staub, eine wand; in ält.
Spr. einem abkehren, ihn prügeln: da sie mir weidlich
kerten ab Waldis Esop 4, 8. — abkipfen, einer Schreib-
feder die Spitze abschneiden, bei Lefsing 3, 8 abkupsen.
Abklären, vom Trüben zur Klarheit bringen, wasser,
kaffee; uneigentlich: hegrifle, ansichten klaren sich ab;
bestrebungen, welche . erst nach langen jabren sich
etwas abklaren sollten Treitschke 2, 75; vom Wetter,
es klärt sich ab. — Abklatsch, m. durch Abklatschen ge-
wonnener Abdruck, eines steines, einer druckform; bild-
lich: der vater ein original, der sohn ein matter ab-
klatsch davon. — abllatschen, klatfchend abformen, bei
Buchdruckern ohne Presse, sonst einen stein, oine inschrift;
bei den Formschneidern Holzstöcke in Blei abgießen. —
abkliugen, klingend abnehmen, von Tönen; bei Goethe
übertragen auf Farben, auch auf Empfindungen: ab-
geklungner liebe trauerpfünder DuW. 16. — abklopfen,
klopfend entfernen, säubern, den staub vom rocke, den
hut; bildlich einen, prügeln, schon 17. Ih. (Stieler);
musikalisch, durch Klopfen Zeichen zum Anfhören geben:
(der Kapellmeister) klopfte sofort ab Zeitung 1887 (val.
aufklopfen).
Abluappen, durch Knappheit entziehen, sich das
nötigste; dem gesinde am lohne abknappen. — ab-
kueipen, kmeipend entsernen: den kopf abkneipen giner
Taube) 3. Mos. 1, 15; mit der Kneipzange abnehmen,
draht, blech. — ablnicken, knickend treunen: den ab-
abholen — abknicken.