Entscheldungen des OLG. München. 333
§5 48 a. a. O. zu bemessen sind. Urtheil vom 10. Dezember
1891.
55 33, 147 Ziff. 1 mit Art. 9 lit. b Ziff. 1
des bayer. Gewerbegesetzes vom 30. Januar
1868. Geltung letzterer Bestimmung für die
Pfalz. Umfang der Berechtigung zum Ausschank
„selbstgebrauten“" Bieres. Inhalt des
letzteren Begriffs. Begriff eines „Weinbauern".
Nach § 147 Nr. 1 der Reichs-Gewerbeordnung
wird mit Geldstrafe bis zu 300 Mk. und im Unvermögensfalle
mit Haft bestraft:
awer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes,
zu dessen Beginn eine besondere polizeiliche
Genehmigung (Konzession 2c.) erforderlich ist, ohne die
vorschriftsmäßige Genehmigung unternimmt oder fortsetzt
rc."
Ein solcher Gewerbebetrieb ist es, wenn der Angeklagte,
wie thatsächlich feststeht, in seinem Wohnhause zu
F. Wein, Bier und Branntwein ausschänkt.
Wer solches thut, betreibt eine Schankwirthschaft und
bedarf nach § 33 der Reichs-Gewerbeordnung hiezu der
Erlaubniß. Allerdings trat diese Gesetzesvorschrift in
Bayern nicht ihrem vollem Umfange nach in Wirksamkeit,
indem § 1 Abs. 2 des Einführungsgesetzes vom
12. Juni 1872 vorbehält, daß es, insoweit in Bayern
der Betrieb der Gast= und Schankwirthschaft oder des
Kleinhandels mit geistigen Getränken, dann der Ausschank
der eigenen Erzeugnisse an Getränten ohne polizeiliche
Erlaubniß statthaft war, einer solchen auch in der
Folge nicht bedürfe.
Hiemit wurde für Bayern der bisherige, durch das
Gewerbegesetz vom 30. Januar 1868 geschaffene Rechtszustand
aufrecht erhalten, wonach in der Pfalz auf
Grund der Art. 1 und 8 Ziff. 4 a. a. O. der Betrieb
der Gast= und Schankwirthschaft und des Kleinhandels