Full text : Zentralblatt für das Deutsche Reich. Zweiundvierzigster Jahrgang. 1914. (42)

152

1343  zuletzt  durch  eine  große  Revolution  von  aller  Theilnehmung
  am  Stadtregiment  ausgeschlossen.

5.  Doch  in  kurzem  entwickelten  sich  wicder,  unter  dem
Volke  selbst  zwei  Parthicn,  und  der  ehrgeizvolle  Haß  der
wohlhabenden  und  armen  Bürger  gegen  einander  war
noch  unversöhnlicher,  und  reifte  noch  schneller  zu  Erplosionen,
als  die  alte  Antipathle  zwischen  Adel  und  Volk.  Auch  wirkte
der  Welfische  und  Gibellinische  Factionen-Geist  selbst  unter
  der  ncuen  Form  der  Staatsunruhen  doch  immer
noch  fort,  denn  die  Welfen  hielten's  mit  den  vornehmeren
Zünften,  die  Gibellinen  mit  der  zahlreicheren  Parthie.  Jene
glaubten,  die  höhere  Macht,  die  Reichthum  und  bessere  Erziehung
  giebt,  recht  alltäglich  brauchen  zu  dürfen,  weil  die
niedrigeren  Zürefte  nicht  geleiret,  sondern  gebändigt  werden
mößten.  Die  letzteren  aber,  und  unter  ihnen  vor  allen  übrigen
  die  Wollenweber  als  die  zahlreichesten  und  unruhigsten,
überließen  sich  einer  wilden  Eifersucht  und  Reizbarkeit,  bei
der  kein  Staat  bestehen,  und  selbst  ihre  eigenen  Bedürfnisse
nicht  befriedigt  werden  konnten.

6.  Es  war  dabei  ein  seltenes  Glück,  daß  endlich  einmal
ein  so  redlicher,  einsichtsvoller  Mann,  als  der  Wollenkämmer
Michael  Lando  war,  an  die  Spitze  der  armen  Bür-13°8ger

  kam,  allein  das  Problem,  wie  die  Staatsgewalt  zwischen
  den  wohlhabenden  und  armen  Bürgern  vertheilt  werden
  solle,  blieb  doch  auch  von  ihm  unaufgeldst.  Wie  ließ  sich
ruhig  theilen,  was  jeder  ganz  wollte?

7.  Von  allen  wohlhabenden  Familien  aber  erhielt  keine  —
Liebe  und  Achtung  der  ärmeren  Bürger  so  standhaft,  als  die
von  Medici.  Nach  Geburt  und  Vermögen  und  nach  dem
Großhandel,  den  ihre  angesehensten  Mitglieder  mehrere  Generationen
  hindurch  getrieben,  gehörte  sie  unstreitig  zur  ersten