144 Zweites Buch. IV: Friedrichs I. und Heinrichs Freundschaft.
Heinrich von Mainz, der sich einst der Wahl Friedrichs zum Könige besonders
widersetzt hatte; für ihn ließ der König seinen eigenen Kanzler Arnold erwählen").
Ruhig ließ Friedrich die Legaten gewähren; aber als sie sich
noch in einige andere Händel und vorzüglich in die Magdeburger Bischofsangelegenheit
mischen wollten, hieß er sie sofort das Reich verlassen und nach
8. Juli Segnia zurückkehren“"). Nicht lange darauf starb Papst Eugen III. zu Tivoli,
15. Juli
1154
Ende
April
1153—54
und an seiner Stelle ward der achtzigjährige Bischof Konrad von Sabina
zum Papste gewählt““"). Diesem Greise gegenüber nahm Friedrich selbstverständlicherweise
eine ebenso kräftige Haltung an, wie gegen dessen Vorgänger.
Anastasius IV., so nannte sich der neue Papst, war schon seit langer
Zeit Kardinal, ein in allen Geschäften und Verhältnissen der Kurie wohlbewanderter
Mann. Aber in der Wahl seines Gesandten an den König versah
er sich. Er schickte nämlich an Friedrich den Kardinaldiakon Gerhard,
einen Mann von rauhen und unangenehmen Manierenf), der den König
zu Magdeburg trafft). Sofort begann Gerhard — nach Anweisung des
Papstes — sich in die Angelegenheit dieses Erzstiftes zu mischen. Aber
Friedrich nahm das sehr übel auf. Unverrichteter Sache mußte der Kardinal
unverzüglich nach Italien zurückkehren. Eine solche Festigkeit von Seiten des
Königs imponierte dem greisen Anastasius IV., und er wagte es nicht mehr,
sich dem kräftigen Willen des aufstrebenden Staufers zu widersetzen. Als
Wichmann in Begleitung des schlauen und tätigen königlichen Kapellanes
Heribertiff) und noch mehrerer anderer königlicher Gesandtens) selbst nach
Rom kam, um sich das Pallium vom Papste zu holen, zögerte dieser, trotz
der Ermahnungen seiner Umgebung zum Widerstande, nur eine kurze Weile,
dem Erzbischofe seine Bestätigung zu erteilen s).
Gewiß hat sich auch Heinrich der Löwe sehr lebhaft für eine Sache interessiert,
die für ihn von so großer Bedeutung war, wie die Wahl des Magdeburger
Erzbischofs, dessen Gebiet das seinige nahe berührte. In der Tat war
der ehrgeizige, herrschsüchtige und schlaue Prälat, der jetzt auf den Erzstuhl
gelangt, für des Herzogs Zukunft von der größten Bedeutung. Doch hatte
Heinrich gerade jetzt wenig Zeit, sich um die allgemeinen Welthändel zu be-
*) Sämtliche Quellen bei Böhmer-Will, Regesta archiep. Moguntinensium,
S. LXXXII, 750 ff.
5%) Otto Fris. II 9.
%%) Cardinalis Aragoniae Vitae pontifio. Romancor. ap. Muratori, Scriptores rer.
TItalic. III, p. 439. — Annales Casinenses, M. G. Ss. XIX, 311. — Romualdi Ann.,
das. 425. — 425. Ep. Wib. — Otto Fris. G. F. i. II, 10. — Ann. Pegav., p. 139 und
viele andere. — Ughelli, Italia sacra I, p. 36.
)Raumer, Hohenstaufen II, S. 16, Anmerk. 1.
f4) Krit. Erört. IVi.
it#) Siehe S. 124.
5) 433. Ep. Wib., p. 569. In diesem Schreiben empfiehlt Wibald den Kaplan
Heribert dem Papste. — Otto Fris. II, 10.
% Otto Fris. 1. C.: pallium obtinere eum feeit, non sine quorundam scandalo. —
Die lleine List, die Anastasius anwandte, um womöglich Wichmann abzuschrecken,
blieb ohne Erfolg. Chr. Mont. Ser., p. 149.