Erneute Slawenkämpfe. 249
leicht einen Konflikt zwischen der letzteren Macht und Sachsen herbeiführen
konnten. Für Dänemark war seit dem Augenblicke, daß Waldemar I. dort
zur Regierung gekommen war, eine glücklichere Zeit erschienen. Waldemar
war ein Fürst, wie er besser zur Regenerierung eines zerrütteten Reiches
nicht gedacht werden kann. Von mildem und versöhnlichem Gemüte, war er
doch ein kühner Kriegsmann und tüchtiger Feldherr, ohne gerade genial zu
sein; dabei besaß er große politische Klugheit, die sich freilich bisweilen in (1158)
unedle List verwandelte. Nach innen zu suchte er in dem Adel und der Geist-
lichkeit Schutz und Schirm gegen die unbändigen, leicht zur Empörung ge-
neigten Bauern. Zur Seite stand ihm sein Milchbruder, der junge Bischof
Axel oder Absalon von Roeskilde, der an unermüdlicher Tatkraft und Mut
den König noch übertraf und ihm bei allen Unternehmungen zum Sporn
und Antriebe diente. Ein ziemlich glücklicher Zug gegen Pommern und (1159)
Rügier hatte den gesunkenen Nationalstolz der Dänen wieder gehoben, und
so ließ sich alles in dem nordischen Reiche auf das beste an"). Da aber (1160)
übertraten während der Abwesenheit Heinrichs des Löwen und Adolfs II.
die Slawen in Wagrien und Obotritien, welche die reiche Beute ihrer Raub-
züge nicht entbehren wollten und auch vielleicht bei ihrer bedrängten Lage
nicht entbehren konnten“-), den strengen Befehl des Herzogs und taten wie-
der einen Einfall in die dänischen Küstenlandschaften. Hierüber gerieten die
Bewohner Nordalbingiens in Schrecken, denn sie fürchteten, König Waldemar
werde an ihnen wegen der Beschädigung seiner Untertanen durch die Slawen
Rache nehmen und das nordsächsische Land, das im Augenblick seiner natür-
lichen Beschützer ermangelte, seinen Zorn empfinden lassen. Nur durch
persönliche Bemühungen und Reisen zu Waldemar gelang es dem Bischofe
Gerold, den König von einem solchen Einfalle in Holstein zurückzuhalten und
ihn zu bestimmen, daß er die Bestrafung der Slawen bis zu der Rückkehr des
Herzogs vertage.
Als Heinrich wieder in Sachsen eintraf, kam ihm der König selbst bis nach Ende
Artlenburg entgegen und beklagte sich bitter über die Unbilden, die ihm die Mais-)
Slawen unter Gutheißung ihrer Häuptlinge zugefügt hatten. Zur Ent-
scheidung dieser Streitigkeiten setzte Heinrich sowohl den deutschen als auch
den slawischen Grenzbewohnern einen Tag zu Barvörde bei Hittbergen#s);
aber die Slawen, ihrer Schuld wohl bewußt, wagten es nicht, vor dem Ant-
°) Dahlmann, Gesch. v. Dänem. I. S. 276—286. — Gebhardi, Dän. Gesch. I,
S. 489—491.
½½) 2. Buch, S. 173 f.
½% ) Krit. Erört. II ce.
f)Helm. I, 87, p. 171: praefixum est colloquium provinciale omnibus
Marcomannis, tam Teutonicis quam Slavis, in loco, qui dicitur Berenvorde. Welcher
Ort dies sein sollte, wußte man bisher nicht anzugeben. Bremervörde, wie Böttiger,
Keim. d. L., S. 197, meint, kann es schwerlich sein, da dieser Ort zu weit von dem
ande der deutschen und slawischen Marcomanni entfernt liegt. — Zuerst wahr-
scheinlich richtig hat es Prutz, Heinr. d. L., S. 183, gedeutet.