1006 Schwaben u. Neuburg.
Katholiken aus allen Stellen verdrängt, die Geistlichen gebrandschatzt und,
da sie sich (mit Ausnahme der Benedictiner von St. Ulrich, welche durch
falsche Vorspiegelungen zur Eidesleistung bewogen wurden) der Huldigung entzogen,
zur Auswanderung gezwungen. Der König selbst hielt seinen Einzug
am 24. April, empfing kostbare Geschenke, vermehrte dafür die Adelsgeschlechter
mit protestantischen Familien (Paller, Sulzer, Manulich, Hainhofer, Hoser,
Thenn, Zobel, Honold, Scheler u. a.), bürdete aber auch der Stadt, die
schon über anderthalb Millionen Schulden hatte, weitere Festungsbauten auf,
wogegen ihre Contribution auf monatlich 20,000 Rthlr. herabgesetzt wurde
und die Waffen allein den evangelischen Bürgern anvertraut blieben, die sich
zu ihren Uebungen einen neuen Schießplatz (die Rosenau vor dem Jacobsthor)
errichteten. Auch Gustav Avolf blieben übrigens die Reize der Augsburger
Frauen nicht verborgen. Doch büßte er die Verwegenheit, der Jacobine
Lauber jungfräulichen Mund küssen zu wollen, mit einem zerrissenen Spitzenkragen,
den er der Spröden hierauf zum Andenken überließ. Wenige Monate
später war derselbe die Erinnerung an einen Todten. Die Stadt blieb
inzwischen ron den Schweden unter General Banner besetzt und litt die
äußersten Drangsale. Nach der Schlacht bei Nördlingen (6. September
1634) begann aber die Belagerung durch die Kaiserlichen und dauerte,
während im Innern Pest und Hunger über 50,000 Menschen hinrafften, bis
28. März 1635.1) Kaum war die schwedische Besatzung, in Folge des Löwenberger
Vertrags, abgezogen und kaiserliche eingerückt, so erfolgte auch die Restitutio
naller Kirchen an die Katholiken. Die Protestanten wurden entwaffnet und mit
300,000 fl. Strafgeld an den Kaiser, mit 80,000 fl. Entschädigung an den Kurfürsten
von Bayer nbelegt; der Senat wurde mit katholischen Mitgliedern besetzt
und bald auch die schwedische Schöpfung neuer Adelsgeschlechter für null und
nichtig erklärt. Nur im Hof des Collegiums bei St. Anna durften die Protestanten
noch Gottesdienst halten; die Studienanstalt war wieder den Jesuiten
übergeben. Vergebens baten- die Protestanten beim Reichstag durch
ihren Abgesandten Joh. D. v Herwart um Milderung ihrer Lage. Als endlich
die Friedensverhandlungen zu Osnabrück hoffen ließen, daß bald Alles in
den Stand vom J. 1618 gesetzt würde, ertönte um Augsburg neuer Kriegslärm.
Der schwedische General Wrangel erschien im August 1646 an der
Donau und bedrohte die Stadt. Ein Theil der katholischen Geistlichkeit und
viele Katholiken flüchteten sich nach Tyrol, nachdem ein Versuch, sich mit den
Protestanten hinsichtlich ihrer Religionsausübung zu vergleichen, gescheitert
war. Aber ein schwedischer Abgesandter erhielt doch nur sehr bedenklichen
1) Im J. 1612 zählte man nur bei den Webern an Meistern, Frauen, Kindern,
Knechten und Mägden 16,932 Scelen. Im J. 1624 betrug die Gesammtbevölkerung
gegen 70,000 Menschen. Bis 12. Oct. 1635 war sie auf 16,422 zusammengeschmolzen!