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berief. Ueber den neuen Freiheiten und dem eitlen Kammergeschwätz
sollte das nationale Unglück vergessen werden. Diese
liberale Komödie beruhigte nicht alle Kronländer. Die Ungarn
trotzten. Indessen war ein hohler, prahlerischer und namentlich
leichtgläubiger Liberalismus in ganz Deutschland so sehr Mode
geworden, daß man die Noth in Oesterreich für eine Tugend
ansah.
Grade damals hatte der Prinz von Preußen als König
Wilhelm I den Thron bestiegen und nach einigen Ministerwechseln
in dem Freiherrn von Bismarck den rechten Mann
gefunden, der das preußische Staatsruder mit dem Geist und
mit der Energie zu führen verstand, wie sie der deutsche Beruf
Preußens erforderte. Der König selbst hatte gleich nach seinem
Regierungsantritt eine durchgreifende Reorganisation der Armce
in Angriff genommen und sich in Königsberg zum König von
Gottes Gnaden krönen lassen. Beides wurde nicht begriffen
oder gänzlich mißverstanden. König Wilhelm war an Jahren
und Erfahrung gereift genug, um das preußische Volk, die
preußische Geschichte zu kennen und den deutschen Beruf Preußens
ganz so zu würdigen, wie in dem unvergeßlichen Jahr 1813,
das er mit erlebt hatte. Auf ihm ruhte der Segen seiner
Mutter und auf ihn bezog sich die Verheißung, deren oben
schon gedacht wurde, ihre Kinder würden das 1807 zertrümmerte
Preußen glorreich wieder herstellen. Beide Maßregeln des
Königs, die Heeresreform und die Krönung, bedeuteten, daß er
fest entschlossen sey, Preußen aus der unwürdigen Lage herauszureißen,
in die es seit dem Wiener Congreß und Olmütz
hauptsächlich durch Oesterreich und Rußland hineindiplomatisirt
worden war. Das Heer sollte ihm dienen, sich unter allen
Umständen ein zweites Okmütz zu ersparen, und die Krönung
sollte nichts Geringeres bedeuten, als daß eine neue Aera für
Preußen gekommen sey. Man muß dabei erwägen, daß seit