Contents : Hammer oder Amboß. Dritte Reihe der Kriegsaufsätze. (3)

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nun  so  „genaturt“  ist,  daß  ihm  Ehre  und  Würde  Begriffe
ohne  Inhalt  sind,  empfindet  deren  Verlust  wenig;  ihm
geht's  wie  dem  jungen  französischen  Mädchen  phönizischer
Herkunft,  die  entführt  worden  war,  und  ihrer  Mutter
schrieb:  „Console-toi,  Maman,  rien  n'est  perdu  fors  l'honneur“;
  er  kann  den  Tag  garnicht  erwarten,  wo  die  Herren
Grey  und  Dernburg  sich  auf  einem  Friedensbankett  in  der
Stadt,  die  durch  Börne's  Geburt  Unsterblichkeit  gewann,
öffentlich  die  Hände  reichen.  Wem  nur  ein  einziger  Tropfen
  germanischen  Blutes  in  den  Adern  kreist,  fühlt  anders:
Tod  ist  ihm  tausend  Mal  lieber  als  ein  Leben  ohne  Ehre
und  ohne  Würde.  Er  weiß  auch,  daß  das  kein  bloßer
überkommener  Kehrreim  aus  alter  überspannter  Nitterzeit
ist,  sondern  daß  ihm  damit  tatsächlich  die  eigentliche  Lebenskraft
  unterbunden  wäre;  er  gliche  fortan  dem  Adler,
dem  ein  Hfeil  „der  Schwinge  Sennkraft  abgeschnitten“.
Liebenswürdige  Engländer  haben  ja  erklärt,  sie  wollten  der
ganzen  Welt  einen  Dienst  leisten,  indem  sie  die  Deutschen
wieder  zurückverwandeln  in  ein  Volk  von  Denkern  und
Dichtern!  Damit  steht's  aber  faul;  denn  Denker  und
Dichter  entsprießen  stets  den  Zeitläuften  allgemeinen  Aufschwungs:
  Plato  folgt  unmittelbar  auf  Perikles,  und
Kant  widmet  sein  erstes  bedeutendes  Werk  Friedrich  dem
Großen,  Shakespeare  dichtet  für  Elisabeth,  und  Wagner
schöpft  aus  den  Siegen  des  „großen“  Krieges  den  Lebensmut,
  sein  gigantisches  Ringwerk  wieder  aufzunehmen  und
zu  vollenden.  Wollte  man  mir  etwa  das  Deutschland  der
letzten  dreißig  Jahre  einwerfen,  ich  würde  erwidern:  wie
wunderbar  auch  die  Säfte  und  die  Kräfte  sich  regten,  wie
bewundernswert  auf  allen  Gebieten  die  tausendfältigen
Leistungen  waren  —  politisch  stand  Deutschland  nicht  groß

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