Full text: Lehrbuch des Deutschen bürgerlichen Rechts. Zweiter Band. Das Sachenrecht. - Das Recht der Wertpapiere. - Das Gemeinschaftsrecht. - Das Recht der juristischen Personen. - Das Familienrecht. - Das Erbrecht. (2)

252 Buch III. Abschnitt 5. Das Pfandrecht an Grundstücken. 
Parteien in andrer Art helfen, etwa so, daß der alte oder der neue Gläubiger 
den Brief für sich und den andern in gemeinsame Verwahrung nimmt.“ 
0) Schließlich ist es zwar keineswegs nötig, aber doch — namentlich 
zwecks Vereinfachung der Legitimation des neuen Gläubigers — sehr nützlich, 
wenn die Hypothek im Grundbuch auf den Namen des neuen Gläubigers um- 
geschrieben wird. Demgemäß kann dieser die Umschreibung im Wege der 
Grundbuchberichtigung unter Vorlegung des Briefs jederzeit verlangen; erfolgt 
die Umschreibung im Buch, so ist sie vom Grundbuchamt auch auf dem Brief 
zu vermerken (RGrOrdn. 57 III). 
Beispiel. A. hat arglistigerweise eine ihm gehörige Briefhypothek hintereinander an 
die gutgläubigen B., C. und D. vertragsmäßig abgetreten; die Abtretung zugunsten des B. 
hat er am 1. Moai schriftlich erkärt, jedoch den Brief dabei nicht übergeben und seiner über- 
haupt nicht Erwähnung getan; die Abtretung zugunsten des C. hat er am 2. Mai mündlich 
erklärt und dabei den Brief dem C. übergeben; die Abtretung zugunsten des D. hat er, 
nachdem er sich den Brief am 3. Mai von C. unter einem Vorwande hat zurückgeben lassen, 
am 4. Mai wiederum schriftlich erklärt und sodann diese Erklärung samt dem Brief an das 
Grundbuchamt mit dem Antrage abgeschickt, das Amt solle die Hypothek auf D. umschreiben 
und den Brief alsdann an ihn, den Antragsteller, zurücksenden; das Amt hat nun diesem 
Antrage stattgegeben, und A. ist wieder im Besitz des Briefs. Hier hat weder B. noch C. 
noch D. die Hypothek erworben. Doch kann A. den Erwerb des B., des D. oder des C. 
nach seiner Wahl nachträglich zustande bringen, indem er entweder den Brief dem B. oder 
dem D. übergibt oder die zugunsten des C. am 2. Mai mündlich abgegebene Abtretungs- 
erklärung nunmehr schriftlich wiederholt. 
Bei der Regel, daß die Überweisung des Hypothekenbriefs an den neuen Gläubiger 
durch die Abrede ersetzt werden kann, der neue Gläubiger sei berechtigt, sich den Brief un- 
mittelbar vom Grundbuchamt aushändigen zu lassen, ist vorausgesetzt, daß das Grundbuch- 
amt zu dieser Aushändigung tatsächlich in der Lage ist. Dies ist der Fall: erstens, wenn 
der bisherige Inhaber des Briefs ihn dem Amt einreicht, zweitens, wenn der Brief noch 
unausgegeben auf dem Amt lagert, drittens, wenn der Brief noch gar nicht ausgestellt ist.“ 
In der schriftlichen Abtretungserklärung muß der neue Gläubiger namentlich bezeichnet 
werden. Eine sog. Blankozession, in der sein Name offen gelassen wird, ist unzulässig 
(s. oben Bd. 1 § 60 II, 2 a).5 
Um die Umschreibung der Hypothek auf den Namen des neuen Gläubigers herbei- 
zuführen, bedarf es, abweichend vom Konsensprinzip (oben S. 49), der Einwilligung des 
bisherigen Gläubigers nicht, sondern es genügt dessen Erklärung, daß er die hypothekarisch 
gesicherte Forderung dem neuen Gläubiger abtrete (NrOrdn. 26 1). 
3. a) Ist eine durch Verkehrshypothek gesicherte persönliche Forderung an 
einen neuen Gläubiger abgetreten, so wird die Abtretung in Ansehung der 
Hypothek gegenüber dem Hypothekenschuldner sofort wirksam, während sie in 
Ansehung der persönlichen Forderung gegenüber dem persönlichen Schuldner 
nach den allgemeinen für die Abtretung einer Forderung geltenden Regeln erst 
dann wirksam wird, wenn sie ihm bekannt geworden oder formell angezeigt 
ist (1156 Satz 1, 406 f.. 
Beispiel. A. hat dem B. gegen Bestellung einer Buchhypothek 1905 ein Darlehn, rück- 
zahlbar gegen einmonatige Kündigung, gewährt; am 15. März 1911 hat B. das Darlehn 
auf den 1. Mai 1911 gekündigt und am 2. Mai nachmittags 6 Uhr an A. auch bar 
3) Siehe R. 69 S. 36. 4) RG. 64 S. 313, 65 S. 64, 66 S. 210. 
5) R. 63 S. 230.
	        
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