18 Erstes Buch. Die Erhebung zur Großmacht.
gasse geraten war: weder militärisch noch diplomatisch konnte
er weiter. Die Klein-Schnellendorfer Konvention war unver—
einbar mit den gegen seine Verbündeten übernommenen Ver—
pflichtungen. Sie schien ein Stillstand und war doch als
definitiver Friede gemeint. Oder sollte sie als solcher nur
gelten, wenn Oesterreich nicht zu neuer Macht gelangte, jedoch
unverbindlich sein, wenn seine Stellung sich so besserte, daß es
auch Schlesien zurückzufordern versucht sein konnte? War das
Geheimnis ausbedungen, das sich doch nicht absolut wahren
ließ, weniger aus Scheu vor Frankreich, als um im rechten
Augenblick eine bequeme Handhabe zur Lösung des Abkommens
zu bieten?
Zunächsi freilich ging alles wie verabredet. Nach vierzehn
Tagen ergab sich Neisse. Von Friedrich scheinbar hinaus-
manövriert, zog Neipperg nach Mähren. Dabei wurde weiter
verhandelt, hier mit Neipperg, um den Frieden, wie zu Klein-
Schnellendorf vereinbart, bis Ende des Jahres zu stande zu
bringen, dort mit Bayern und Sachsen wegen gemeinsamen
Vorgehens gegen Oesterreich. Sowohl diese wie Frankreich miß-
trauten Friedrich und fürchteten ihn zu Oesterreich übertreten
zu sehen. Um so bereitwilliger kam man seinen Forderungen
entgegen. Von Karl Albert als künftigem König von Böhmen
verlangte er Glatz, von Sachsen einen Streifen von dem diesem
zugedachten Stück Oberschlesiens am rechten Neisseufer. Am
4. November kam ein Schutz= und Trutzbündnis in Breslau
zum Abschluß: gegen 400 000 Thaler überließ der Bayer
Friedrich Glatz und sagte ihm die kaiserliche Garantie Schlesiens
zu, erhielt dagegen die brandenburgische Stimme für die Kaiser-
wahl zugesichert und die Garantie der ihm durch den Vertrag
vom 19. September zugedachten österreichischen Lande. Am
5. November überschritten die Sachsen, über 20 000 Mann
stark, die böhmische Grenze. Mit Bayern und Franzosen ver-
einigt, stürmten sie in der Nacht vom 25. zum 26. November
Prag. Am 29. November empfing dort Karl Albert die böh-
mische Krone.
Diese Erfolge steigerten bedenklich den Einfluß Frankreichs
in Deutschland. Sein Wachstum zu hindern, betrieb Friedrich