Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

  
hörige aller anderen Nama-Stämme strömten bentegierig zu seinen Fahnen. Aber 
der Hauptmann von Frangcois kam ihm zuvor. In fliegender Eile wurde die 
neue Truppe unmittelbar nach ihrer Ankunft in Windhuk ausgerüstet, und am 
12. April übersiel Francois mit ihr die damalige Hauptfeste Hendrik Witboois, 
Hornkranz, nachdem er auf dem Marsch dorthin in Rehoboth die Bastarde durch 
sein energisches Auftreten auf seine Seite gezogen hatte. Sie sind seit dieser 
Zeit stets trene und opferbereite Bundesgenossen der Deutschen geblieben. Das 
ganze Jahr 1893 war angefüllt mit weiteren, für die Dentschen glücklichen 
Kämpfen — aber die Zähigkeit der Hottentotten war so groß, daß es erst im 
August des nächsten Jahres dem Nachfolger des ersten Kommandeurs, dem 
Major Leutwein, nach nochmaliger Verstärkung der dentschen Truppe gelang, 
die in der Naukluft stehenden Witbooi endgültig zu unterwerfen und zur An- 
nahme der deutschen Schutzherrschaft zu zwingen. Die Niederwerfung des be- 
rühmten und gefürchteten Häuptlings machte zwar starken Eindruck auf die Ein- 
geborenen Südwestafrikas, aber dieser war doch nicht nachhaltig genng, um in 
der Folgezeit neue Erhebungen zu verhindern. Bereits in den Jahren 1894 
und 1895 mußte gegen die aufständischen Khauas= und Simon Kopperschen 
Hottentotten gefochten werden, und 1896 bedrohte wiederum ein gewaltiger Brand 
das Schutzgebiet. Zu gleicher Zeit empörten sich die Ovambandjern, die Ostherero 
und die Khauas-Hottentotten, so daß eine erneute Verstärkung der Schutztruppe 
um 400 Mann notwendig wurde. Der Aufstand forderte erhebliche Blutopfer von 
den Dentschen, aber in dem schweren Gefecht bei Sturmfeld (6. Mai 1890) warf 
Moajor Lentwein die Aufständischen vollkommen nieder. Die Folge dieser Siege 
bildete die Besetzung der Gebiete von Outjo und Grootfontein-Nord. Kleinere 
Aufstände folgten in den Jahren 1897 und 1898. 1897 mußten zunächst die am 
Oranje sitzenden Reste der Afrikaner zur Ruhe gebracht werden, und in dem- 
selben und dem folgenden Jahre kämpfte die Truppe unter den Majoren von Estorff 
und Müller gegen die Zwartbooi und Toopnaar im Kaokofelde. In allen diesen 
Feldzügen erschien Hendrik Witbooi, der sich im Friedensschluß von 1891 zur 
Heeresfolge verpflichtet hatte, als Bundesgenosse der Dentschen auf dem Plan. 
Auch Simon Kopper und kleinere Abteilungen anderer Hottentottenstämme fochten 
zeitweilig auf deutscher Seite. 
Neben diesen kriegerischen Taten, die ihn Jahre hindurch bald hier= bald 
dorthin führten, nahm sich der Landeshauptmann Major Leutwein in kraftvoller 
und zielbewußter Weise der Besiedlung des Landes an, hierin unterstützt von 
seinem Vertreter, dem Assessor von Lindequist. Die Einwanderung deutscher 
Farmer, Ansiedler und Kauflente nahm stetig zu, die Rechts= und Besitzverhält- 
nisse der Eingeborenen wurden geregelt, es wurden Straßen gebaut und die Lan- 
dungsverhältnisse an der Swakopmündung durch den Ban einer Mole gesichert. 
Besondere Aufmerksamkeit wendete die Regierung dem Fortschreiten der landwirt- 
schaftlichen Betriebe zu. Die ersten land= und forstwirtschaftlichen Musterbetriebe 
wurden begründet, und die Viehrassen durch Einfuhr hochwertigen Zuchtviehes 
verbessert. Doch blieben auch in dieser Zeit allgemeinen Fortschritts dem Schutz- 
gebiet schwere Rückschläge nicht erspart: Im Jahre 1897 drang die Rinderpest 
auf ihrem verheerenden Zuge durch Ost= und Südafrika in das Schutzgebiet 
ein und dezimierte die Herden der Weißen und Eingeborenen, besonders die un- 
ermeßlichen Viehbestände der Herero. Aber diese schweren, unglücklichen Zeiten 
brachten doch auch ihr Gutes mit sich: sie führten zu einer vollständigen Um- 
gestaltung des Verkehrswesens im mittleren Schutzgebiet. Bisher hatte der von 
20 und mehr Ochsen gezogene schwere „Afrikanerwagen“ das einzige Mittel zur 
Bewegung großer Frachten geboten. Besonders während der Kriege belebten un- 
gehenere Wagenzüge die Straßen zwischen Windhuk und der Küste, um Proviant 
und Kriegsmaterial in das Innere zu schaffen. Als die Rinderpest auftrat, drohte
	        
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