Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

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kaner. Ferner Perlhühner, Sandhühner, Berghühner, Trappen, Wildgänse und 
-enten, Tauben und Wachteln. In neuerer Zeit sind Bestrebungen im Gange, 
um einen erhöhten Wildschutz herbeizusühren und damit dem Lande seinen Be- 
stand an jagdbaren Tieren für die Zukunft zu sichern. Inzwischen sind drei 
Wildreservate begründet worden, die östlich von Grootfontein-Nord, zwischen 
Etosa-Pfanne und Küste und südöstlich von Swakopmund gelegen sind. 
Die Industrie des Schutzgebiets ist noch nicht ausgedehnt, aber in steigender 
Entwicklung begriffen. Sie beschränkt sich vorläufig im wesentlichen auf kleinere 
Fabriken und Reparaturwerkstätten, die den Bau von Wagen und von land- 
wirtschaftlichen Maschinen verschiedenster Art, besonders auch von Windmotoren, 
betreiben, sowie auf mehrere Bierbrauereien und Brennereien, einige Bau- 
firmen und Kalkbrennereien. 
Der Handel hat seit der Niederwersung des letzten Aufstandes und der Ver- 
nichtung der großen Viehbestände der Eingeborenen stark gelitten. Neben einer 
größeren Anzahl älterer, wohlsundierter Einzelsirmen und Handelsgesellschaften, 
die vielsach zugleich Farmwirtschaft treiben, war im Laufe der Jahre eine über- 
große Anzahl kleinerer Geschäfte entstanden, die neuerdings wieder abgenommen 
hat. Wenn nun auch der Handel sich in letzter Zeit durch die Schaffung neuer 
Ausfuhrprodukte (z. B. Wolle, Straußfedern u. a.) in etwas aussteigender 
Richtung befindet, so ist doch im Laufe der Jahre auch der Wettbewerb durch 
die vermehrte Zahl der Firmen bedeutend vergrößert worden und der Preis der ein- 
zelnen Importartikel gesunken. Hervorzuheben sind die Handelsbetriebe, die 
sich mit der Einfuhr von Zuchtvieh und mit dem Viehhandel im Lande befassen. 
Im Interesse der Wiedererstarkung des Handels wird in erster Linie die wirt- 
schaftliche Stärkung der Eingeborenen und damit ihrer Kaufkraft anzustreben sein. 
Eine wesentliche Vergrößerung hat seit dem Jahre 1904 die Ausgestal- 
tung des Eisenbahnnetzes erfahren, das heute aus folgenden Linien besteht: 
Otavibahn (Swakopmund—Tsumeb—Grootfontein) 671 km 
  
Swakopmund—Windhuk 382 „ 
Nord—Südbahn 506 „ 
Lüderitzbuchtbahn 545 „ 
  
zus. 2104 km 
Hierzu kommen noch 37 km von dem Bergbau nutzbaren Kleinbahnen, so 
daß die Gesamtlänge des Bahnnetzes rund 2140 km beträgt. 
Bis auf den dringend notwendigen Bau einer Linie nach dem Ambolande, 
die von einem Punkt der Nordstrecke der Otavibahn abzweigen muß, kann 
das Eisenbahnnetz der Kolonie nunmehr im großen und ganzen als abgeschlossen 
gelten. Höchst erwünscht wäre allerdings die Fortführung einiger bereits bestehen- 
der Linien, so im mittleren Lande der Weiterbau von Windhnk nach Gobabis 
und bis zur Ostgrenze — im Süden die Fortsührung der Lüderitzbuchtbahn über 
Keetmannshoop in den Hasurdistrikt, sowie ferner der Weiterbau der Strecke 
Seeheim—Kalkfontein nach Warmbad und bis zum Oranje. 
Kurz soll noch die Bedeutung der einzelnen Linien erörtert werden. Die 
Otavibahn, die zunächst zum Abtransport der Kupsererze im Tsumeddistrikt 
erbaut war, erschließt mit ihrer Abzweigung Otavi-Grootfontein das Nord- 
Damaraland und gibt serner sowohl die Basis zur Erschließung des Ambo- 
landes, als wie die zur Fortführung einer Linie nach Nordosten, die der Ein- 
beziehung der wertvollen Landschaften am Okavango und im Caprivizipfel 
dienstbar sein würde. Die Möglichkeit des Anschlusses dieser Linie an die Kap- 
Kairobahn liegt auf der Hand. Wenn der Bau dieser letztgenannten Linie auch 
noch in weiter Ferue liegen mag, so sei doch jetzt bereits darauf hingewiesen, 
daß sie durch die Erschließung von Landstrecken, die sich zum Anbau von Ge-
	        
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