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Croßflusses, sitzenden Stammes an. Auch dieser Stamm war bisher der deutschen
Herrschaft noch nicht nnterworfen worden. Der Stationsleiter von Ossidinge,
Graf Pückler, begab sich, um dem Handel auch hier die Wege zu öffnen, mit
30 Polizeisoldaten und einem Vertreter der Gesellschaft Nord-West-Kamerun in
dies Gebiet. In Bascho, unweit der englischen Grenze, geriet er am 22. Januar
mit seiner ganzen Expedition in einen Hinterhalt. Graf Pückler selbst fiel, der ihn
begleitende Angestellte der Gesellschaft Nord-West-Kamerun, Küster, wurde auf der
Flucht getötet.
Die Aufständischen zogen darauf plündernd und brennend nach Süden und
töteten weitere drei Europäer. Die von dem Polizcimeister Wolff und zehn Polizei-
soldaten verteidigte Station Ossidinge mußte nach sechstägiger tapferer Gegen-
wehr aufgegeben werden, ebenso die Niederlassung der Gesellschaft Nord-West-
Kamerun Assakamp. Beide Plätze wurden von den Aufständischen geplündert und
zerstört. Sofort entsandte das Gouvernement starke Teile der Schutztruppe unter
Hauptmann Langheld und v. Knobloch in das Gebiet, und nach langen, schwie-
rigen Kämpfen gelang es dem Kommandenr Oberst Mueller Ende Juni, Bascho,
den Hauptsitz der Aufständischen, zu nehmen und dadurch den Aufstand nieder-
zuschlagen.
Im August 1903 hatte Gouverneur von Puttkamer eine Dienstreise in den
Norden des Schutzgebietes angetreten, die ohne jeden Zwischenfall verlief. In
Garua war er von 67 Fullahhäuptlingen begrüßt worden und konnte sich anch auf
seiner weiteren Reise durch das Adamanagebiet bis nach Dikoa von der Ergeben-
heit und der friedlichen Gesinnung der Bewohner des Gebietes überzeugen. Nach
Art der englischen und holländischen Residenturen wurde je eine politische Resi-
dentur in Garna und Kusseri eingerichtet.
1904/05. Im Nsangakokobezirk gärte es noch weiter. Die Ndsimu= und
Njemstämme fuhren fort, verlockt durch die großen Mengen von der Küste und
über den Kongo gleichzeitig ins Land gebrachten Warenvorräte, zum Teil auch
aufgereizt durch Zwischenhändler, räuberische Überfälle auf die Weißen der Nieder-
lassung zu machen. Bei Molundn wurde ein weißer Kanfmann ermordet. Die
Unterwerfung der Stämme nahm noch lange Zeit in Anspruch.
Im Croßflußgebiet wurde die Ruhe nicht wieder gestört. Die Station Ossi-
dinge wurde neu angelegt, in Bascho blieb ein Offiziersposten zurück.
1905/06. Im Nsangakokobezirke trat eine Verschlimmerung ein. Die Bevöl-
kerung war durch das Heer der farbigen Händler, insbesondere durch die Art und
Weise, wie sie ihre Forderungen eintrieben, sowie durch die großen Trägerkara-
wanen stark mitgenommen worden. Die am 5. April 1905 bei Kam erfolgte
Ermordung eines weißen Kaufmannes wurde das Signal zu einem allgemeinen
Aufstande zwischen Nyong und Djah. Viele Faktoreien, aus denen die Weißen
noch mit knapper Not entkamen, wurden zerstört und geplündert, eine Anzahl
Handelskarawanen überfallen und beraubt, wobei viele Träger ihr Leben ver-
loren. Ein Ülbergreifen der Bewegung auf das östliche Buligebiet wurde von
der Station Ebolowa verhindert.
In schweren, verlustreichen Kämpfen errang hier der nunmehrige Haupt-
mann Schennemann Erfolge, die folgendermaßen zusammenzufassen sind:
1. Es wurden gesichert folgende Straßen:
a) Lomie—Kam, b) Lomie — Abong,
) Lomie —Assobang, d) Kam—Wollo—Akonolinga,
e) der Wasserweg des Nyong von Abong Mbang bis Onanabesse.
2. Der Aufstand südlich des Djah war völlig niedergeworfen.
3. Die Widerstandskraft der Djong, Makka, sowie diejenige der Jedsang,
Esso, Jelinda und des Assobamkomplexes war gebrochen.