Die deutschen Kolonien in der Südsee.
Von Richard Deeken, Miltenberg.
Umspült von den blauschillernden Fluten des endlosen Stillen Ozeans, der Südsee,
wie die gewaltige Wasserwüste der südlichen Halbkugel von Seelenten und Reisenden
kurzhin genannt wird, liegt eine uns Deutschen ferne Welt von Inseln.
Hochauf brandet an ihnen die von weit her über die Meeresfläche heranrollende
Dünung und bricht sich mit donnerndem Brausen an den oft wie die Bastionen einer
Festung weit vorspringenden Korallenriffen oder zerschellt mit dumpfem Getöse an
den steilen Basaltmauern der vulkanischen Inselsockel, in Millionen kleinster Schaum-
atome zersprühend. Goldene Lichtstrahlen erglänzen in ihnen mit aller Farbenpracht
des Spektrums, huschen hierhin und huschen dorthin mit den einherstürmenden und
zurückeilenden Wogen. Die am tiefblanen Himmel stehende Sonnc lacht und freut
sich des Spiels ihrer Strahlen, den goldenen Glanz verschwenderisch ausgießend über
die maßlos weiten Wasserflächen und die palmennmrauschten, bis zu den höchsten
Bergeswipfeln grünenden Inselfluren mit ihren braunen und schwarzen, blumen-
geschmückten Menschen und den wenigen landfremden, weißen Bewohnern, die hier
draußen eine nene Heimat gefunden haben, um mit starker Hand und schaffender
Energie dem reichen Boden Schätze zu entzaubern und die berceits vorhandenen zu
verwerten.
Aber nicht immer erstrahlt die Sonne. Zeiten kommen, wo sie sich hinter schweren,
düsteren Wolken verbirgt. Dann prasselt schwerer Tropenregen hernieder. Stürme
wühlen die Tiefen des Meeres auf. Palmen und Laubbäume beugen sich vor der
brausenden Macht, und die Altersbeladenen und die Schwachen unter ihnen brechen
nieder wie Strohhalme oder liegen entwurzelt am regendurchtränften Boden. —
Doch nicht lange währt es, und die Siegerin Sonne leuchtet wieder in der alten Pracht
hoch oben im dunstigen Ather. Aus dem feuchtwarmen Boden sprießt neues Leben,
wo der Sturm es zerstörte, und das glückliche, farbenbunte Märchenbild ersteht wieder
hinter den zerrissenen Wolkenschleiern.
Hier ist Deutschlands Südsecreich. — Wahrhaftig ein Reich ! Alle diese Inseln,
über denen heute die deutsche Flagge weht, sie sind wertvolle Edelsteine in der Krone
unseres kolonialen Besitzes. Da gibt es keine Sandwüsten oder ansgedehnte Steppen,
nein, abgesehen von einigen Felseneilanden und frischen Lavaseldern, ist alles Land von
einer taufrischen, ewig sprießenden Vegetation bedeckt, die aus reichen Lava- und
Korallenböden ihre Kraft holt.
Wie groß die Inseln sind?
Alle Größen! — Kleine, winzige Eilande, auf denen ein paar Kokospalmen gerade
eben noch Platz finden können, deren Nüsse aber niemand erntet, da das Land zu klein
ist, um Menschen als Wohnplatz zu dienen. Wo aber die Möglichkeit ist, daß der Boden