Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

  
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390 Schülern bzw. Schülerinnen besucht. Diese Zahlen zeigen, daß das Verständnis 
eines Teiles der Eingeborenen für die Vorteile, die ihnen die weiße Kultur bietet, all- 
mählich im Zunehmen ist. Das geht übrigens auch aus der zwar langsam steigenden 
Frequenz der Missionsschulen hervor. Bei Bewertung dieser Tatsachen übersehe man 
aber nicht, daß in vielen Fällen es gerade Missionszöglinge waren, welche ihre Lehrer 
verrieten oder selbst hinterrücks überfielen und niedergemacht haben! 
Es ist zur Hauptsache eine Folge der bereits erwähnten Vorteile geographischer 
Natur, daß der Bismarckarchipel in wirtschaftlicher Hinsicht viel weiter vorangeschritten 
ist als die so sehr viel größere Festlandskolonie. Die mit europäischen Pflanzungs- 
kulturen bestandene Fläche hatte Anfang 1912 bereits eine Ausdehnung von 19 200 ha, 
war also etwa dreimal größer als die in Kaiser-Wilhelms-Land. Viel ausgedehnter 
als hier sind auch auf den Inseln die Palmenbestände der Eingeborenen, so daß auch 
das Handelsgeschäft bereits recht ergiebig ist. Es wurde bereits auf die für die Kokos- 
palme so günstigen Wachstumsbedingungen hingewiesen. Diese finden am dentlichsten 
ihren Ausdruck durch die Tatsache, daß mehr als 17 700 ha mit Kokospalmen bepflanzt 
sind, also 93 Proz. der gesamten Kulturfläche. Die Kantschukbestände (Ficus elastica, 
Hevea brasiliensis, Castilea elastica) nehmen nur 1300 ha ein, und mit Kakao sind 
150 ha bestellt. Die Zahl der auf europäischen Plantagen stehenden Kokospalmen 
beträgt fast 2 Millionen, von denen aber erst knapp ein Drittel ertragsfähig sind, so daß 
also noch mit einer ganz bedeutenden Steigerung der Produktion gerechnet werden 
kann, ganz abgesehen davon, daß jährlich umfangreiche Neuanlagen zu den alten Be- 
ständen hinzukommen. 1912 waren auf den Pflanzungen 9316 Arbeiter, ausschließlich 
Eingeborene des Archipels, beschäftigt, die von einem Personal von 137 weißen Beamten 
beaufsichtigt wurden. Die älteste Pflanzung ist die einer Samoanerin, welche unter 
dem Namen „Oucen Emma“ weit und breit in der Südsee bekannt ist. Sie war auf 
einem Kopraschooner von Samoa nach dem Archipel gekommen und entwickelte dort 
eine geradezu stannenswerte Regsamkeit, vereint mit einem bei Samoanern eigentlich 
ganz ungewohnten Geschäftssinn. Ihre anfänglich bescheidenen Pflanzungsanlagen 
und das gleichzeitig von ihr betriebene Handelsgeschäft nahmen bald immer größere 
Ausdehnung an und entwickelte sich mit der Zeit zu einem Millionennnternehmen. 
Nach dem Tode ihres ersten Mannes, des Engländers Forsayth, heiratete „Queen 
Emma“ einen ihrer Angestellten, einen Dentschen namens Kolbe. Die Firma trägt 
den Namen ihres ersten Mannes und ging 1910 in Hamburger Hände über. Das 
Kapital des Unternehmens beträgt 2 Millionen Mark. Die Geschichte der „Queen Emma“ 
ist einzigartig und dürfte sobald keine Wiederholung finden, da die Samoaner, wie 
überhaupt die Südseeinsulaner, das Geldausgeben weit besser veistehen als das Geld- 
verdienen und Arbeiten. Außer der genannten Firma sind im Bismarckarchipel noch 
folgende größere Firmen tätig: die Neugninea-Kompagnie, Hernsheim & Co., ferner 
Heinrich Rudolph Wahlen, die Deutsche Handels= und Plantagen-Gesellschaft der Süd- 
seeinseln, die allerdings ihr Hauptarbeitsfeld in Samoa, im Archipcl eigentlich nur 
eine größere Station besitzt, die gleichzeitig als Arbeiteranwerbezentrale für die samoa- 
nischen Pflanzungen der Gesellschaft dient, schließlich noch die Bismarckarchipel-Gesell- 
schaft, eine, im Vergleich zu den vorgenannten, kleinere Unternehmung. Daneben 
hat eine ganze Reihe Privater Pflauzungen auf den Inseln angelegt und zum Teil 
große Vermögen erworben. Besonders bemerkenswert sind die Siedlungen Weißer 
in den Bainingbergen, die so gut wie gar nicht vom Fieber heimgesucht werden und 
wo kaum höhere Anforderungen au die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Ansiedler 
gestellt werden als im nördlichen Queensland, in welcher Kolonie viele Deutsche Farmen 
angelegt haben und erfolgrcich bewirtschaften. 
Die Handelsstatistik des Neugnineagebietes weist jährlich eine beträchtliche Steigerung 
der Einfuhr und insbesondere der Ausfuhr auf. Der Gesamthandel hatte 1911 einen Wert 
von 9,2 Millionen Mark. Hiervon entfällt etwa ein Sechstel auf Kaiser-Wilhelms-Land, 
der Rest auf Bismarckarchipel und Salomonsinseln. Die Handelsergebnisse der Karolinen 
 
	        
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